Mamaaaa, schau mal!
„Mama, guck mal!“, „Papa, schau!“ oder „Hast du gesehen?“ und drei Sekunden später wieder „Mamaaa, schau!“. Vor allem während der Kleindkindzeit begleiten diese Aufforderungen Eltern durch den ganzen Tag: sie springen vom Sofa, entdecken etwas, rennen, bauen einen Turm und immer wieder fordern sie währenddessen ihre Eltern dabei auf Publikum zu sein. Und irgendwann stellen Eltern innerlich fest: Ich kann und will doch nicht den ganzen Tag begeistert zuschauen. Und natürlich müssen sie das auch nicht. Denn hinter dem Wunsch nach Aufmerksamkeit steckt nicht immer dasselbe und es ist hilfreich, wenn Eltern herausfinden „Braucht mein Kind gerade Verbindung, Bestätigung, Orientierung oder einfach nur Publikum?“.
Folgende Bedürfnisse können dem Ruf „Schau mal“ zugrundliegen:
· Manchmal möchte ein Kind einfach teilen, was es erlebt und die Aufforderung trägt die Botschaft in sich „Das ist gerade schön. Erlebe es mit mir zusammen.“
· Ein anderes Mal sucht es Bestätigung und fragt damit „Hast du gesehen, was ich kann? Bin ich gut so?“
· Oft steckt auch das Bedürfnis nach Verbindung dahinter und das Kind möchte spüren „Bist du noch da?“.
· Und manchmal hat sich das „Guck mal“ auch ein bisschen verselbstständigt. Das Kind hat verinnerlicht: Wenn ich etwas mache, schaut jemand zu, bewertet, lobt, kommentiert. Auf diese Weise wird aus dem eigenen Tun schnell eine kleine Vorstellung.
An den folgenden Feinzeichen können Eltern ablesen, was möglicherweise hinter dem jeweiligen „Schauuu mal“ steckt:
· Wenn ein Kind nach dem Blickkontakt zufrieden weiterspielt, hat oft schon ein kurzer Moment echter Verbindung gereicht.
· Wenn es immer wieder nachfragt „War das gut?“, „Kann ich das?“, „Bist du stolz?“ sucht es möglicherweise stärker nach Bestätigung.
· Wenn das „Guck mal!“ vor allem dann häufiger wird, wenn Eltern beschäftigt sind, ein Geschwisterkind versorgen oder gerade wenig Zeit hatten, kann dahinter ein Bedürfnis nach Nähe und Rückversicherung stecken „Bin ich noch wichtig für dich?“.
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Und wenn ein Kind kaum noch etwas tut, ohne
sofort nach einer Reaktion zu schauen, lohnt es sich manchmal, die
Aufmerksamkeit etwas zurückzunehmen. Nicht aus Distanz, sondern damit das Kind
wieder mehr bei sich selbst ankommen kann.

Für die Reaktion und den Umgang mit den kindlichen
Aufforderungen können folgende Gedanken hilfreich sein:
· Eine echte, kurze Aufmerksamkeit ist wirksamer als dauerndes Nebenher-Reagieren. Das bedeutet lieber einmal wirklich hinschauen, lächeln und sagen „Ja, ich hab dich gesehen.“, „Du freust dich gerade richtig.“, „Du hast lange daran gebaut.“ Auf diese Weise spürt das Kind die echte Präsenz und die Verbindung und kann sich anschließend wieder seinem Spiel zuwenden.
· Manchmal dürfen Eltern natürlich auch freundlich & klar sagen: „Ich kann gerade nicht zuschauen. Du kannst es mir nachher zeigen.“ Das Kind lernt auf diese Weise, dass auch andere Dinge wichtig sind und dass es aushalten kann ein Weilchen zu warten.
· Mit zunehmendem Alter dürfen Kinder außerdem erleben, dass etwas auch dann Spaß machen, wichtig sein oder gelingen kann, wenn gerade niemand zuschaut. So werden sie unabhängig von Lob und Bestätigung von außen.
Es macht einen großen Unterschied aus welchem Bedürfnis heraus ein Kind „Mamaaaa, schau mal“ ruft und wie Eltern damit umgehen und ich wünsche viel Freude beim Erforschen, was denn ganz genau gerade jetzt dahintersteckt.
Hanna Articus