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Der Moment dazwischen – Übergänge liebevoll begleiten

Auch wenn der offizielle Frühlingsbeginn bereits hinter uns liegt, zeigt sich das Wetter im April noch wechselhaft. Immer wieder ist es kalt, manchmal fällt sogar noch Schnee. Gleichzeitig zeigt sich überall neues Leben: Schneeglöckchen bedecken ganze Flächen, Krokusse öffnen ihre Blüten und die ersten Schlüsselblumen zeigen sich. Die Bäume bilden Knospen, und sobald die Sonne scheint, spürt man bereits ihre wärmende Kraft.

Die Natur befindet sich in einer Zeit des Übergangs:

• von kalt zu warm 

• von trocken zu fruchtbar 

• von dunkel zu hell

• von ruhig zu geschäftig 


Übergänge gehören zum Leben und stellen wichtige Lern- und Entwicklungsfelder dar. Auch unsere Kinder erleben im Alltag zahlreiche Wechsel zwischen verschiedenen Situationen und Stimmungen.


Sie wechseln zum Beispiel:

• vom Schlafen zum Wachsein

• vom Spielen zum Essen

• von der KiTa nach Hause

• von Aktivität zur Ruhe 

• von Wut zur Freude 


Manchmal haben wir als Eltern das Gefühl, dass unserem Kind im Alltag alles zu viel wird. Dieses Gefühl darf und sollte überprüft werden. Gleichzeitig zeigt sich in vielen Situationen: Nicht unbedingt die einzelnen Ereignisse sind herausfordernd, sondern der Übergang von einer Situation in die nächste.

Auch wir Erwachsenen kennen das. Nach einem langen Arbeitstag brauchen wir manchmal einen Moment, um uns in unseren Feierabend einzustimmen. Nach einer langen Autofahrt oder wenn wir uns noch zum Sport aufraffen müssen, merken wir, wie anstrengend Übergänge sein können. Übergänge verlangen immer eine kleine innere Umstellung. Während wir Erwachsene bereits Strategien dafür entwickelt haben, müssen Kinder diese erst nach und nach lernen.

Gerade deshalb ist unsere Begleitung in solchen Momenten besonders wertvoll. Einige einfache Impulse können Kindern helfen, Übergänge leichter zu bewältigen:


Übergänge ankündigen

Kinder profitieren davon, wenn Veränderungen angekündigt und nicht abrupt beendet werden. Hilfreich sind kurze, konkrete Hinweise wie:

• „Du kannst noch fünfmal rutschen, dann gehen wir nach Hause.“ 

• „Noch diese Seite im Buch, dann machen wir das Licht aus.“ 

• „Nach diesem Lied gehen wir Hände waschen.“ 


Solche klaren und überschaubaren Hinweise geben Kindern Orientierung und helfen ihnen, sich innerlich auf den nächsten Schritt einzustellen. 


Rituale schaffen

Wiederkehrende Abläufe und kleine Rituale geben Sicherheit. Ein Lied, ein Gong, ein gemeinsamer Spruch oder ein Moment der Nähe kann einen Übergang erleichtern. 

Zeit einplanen

Wenn möglich, sollten Übergänge nicht unter Zeitdruck stattfinden. Plane Zeit für Übergänge ein und vermeide einen zu eng getakteten Tagesablauf. Ein Moment zum Durchatmen oder eine kurze Pause zwischen zwei Aktionen hilft Kindern, sich neu zu orientieren.

Gefühle ernst nehmen 

Wenn ein Kind ungern mit einer Situation aufhört, steckt dahinter meistens ein Bedürfnis. Ein verständnisvoller Satz kann Druck aus dem Moment nehmen. Zum Beispiel: „Du würdest gerne noch weiterspielen, aber wir müssen jetzt trotzdem los.“ „Du bist müde, ich helfe dir beim Anziehen.“

Mitbestimmung ermöglichen

Kleine Wahlmöglichkeiten geben Kindern das Gefühl von Selbstwirksamkeit – etwa die Frage, ob zuerst Schuhe oder Jacke angezogen werden oder welches Buch das Kind vor dem Schlafengehen anschauen möchte. Wir Erwachsenen geben die Programmpunkte vor, und die Kinder dürfen die Reihenfolge entscheiden. 

So wie die Natur im Frühling Schritt für Schritt in eine neue Jahreszeit hineinwächst, dürfen auch unsere Kinder Übergänge in ihrem eigenen Tempo erleben und gestalten. Mit Wissen, Geduld, Verständnis und verlässlichen Strukturen können wir sie dabei unterstützen, diese Wechsel als sichere und gut bewältigbare Momente ihres Alltags zu erfahren.


Corinna Muderer

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