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Der Alltag mit unseren Kindern ist neben all den schönen, kleinen Momenten auch immer wieder herausfordernd und anstrengend. Besonders die drei Autonomiephasen sind wichtige Entwicklungsschritte, die uns Eltern manchmal viel abverlangen. Die erste beginnt, wenn unser Kind sein Ich entdeckt, fortan alles selber machen möchte und die Welt beginnt zu erkunden. Die zweite findet in der Wackelzahnpubertät statt. Wenn aus dem Kindergartenkind ein Schulkind wird, Regeln hinterfragt werden und die Emotionen zwischen Nähe und Unabhängigkeit schwanken. Die dritte Phase der Autonomie ist in der Pubertät, wenn sich die Identität herausbildet, vermehrt Rückzug gelebt und die peer group zum Meinungsgeber wird.

In allen drei Phasen sind wir Eltern stark gefordert. Die Gefühlskräfte der Kinder schlagen hohe Wellen und wechseln sich beinahe minütlich ab. Unsere Hauptaufgabe liegt im Gefühle begleiten, im Grenzen setzen, im klar sein und Führung übernehmen. Oft haben wir dann das Gefühl, den ganzen Tag „nein“ gesagt zu haben und dass Krisen und schlechte Laune unseren Alltag dominieren. Manchmal sind die Momente der Nähe und Verbindung gering und gar nicht mehr spürbar. 

Doch ich glaube, wenn wir in unseren Tag rein zoomen und auch die ganz kleinen Momente und Gesten unserer Kinder wahrnehmen und darauf eingehen, schaffen wir einen neuen Blick auf diese herausfordernden Phasen:

Elias, 1 ½ Jahre, hat entdeckt, wieviel Spaß es macht, bei Zimmerpflanzen Blätter abzuzupfen und anschließend die Pflanzenerde im Wohnzimmer zu verteilen. Mehrmals fordert Mama Erika ihn auf das zu unterlassen. Elias hört nicht auf damit. Erika ist total genervt. Später muss Elias gewickelt werden. Er liegt lächelnd auf dem Wickeltisch. 

Der 8- jährige Tom macht seit Wochen nur widerwillig Hausaufgaben. Nach intensiver Motivation von Mama Lisa kritzelt er die Schulaufgaben achtlos in sein Heft. Lisa ist total genervt. Abends will Tom von Lisa wissen, wie man Pfannkuchenteig selber macht. 


Der 16-jährige Matze verbringt die meiste Zeit des Tages zurückgezogen in seinem Zimmer und zockt Computerspiele. Mama Frida ist total genervt. Als Matze sich abends mal mit Freuden trifft und ausgeht, schickt Matze Lisa eine WhatsApp, indem er ihr schreibt, dass er mit seinen Freunden noch was Essen geht. Mit Herzaugen-Emoji.

Wir dürfen wieder wachsam sein und nach diesen kleinen Gesten und Momenten Ausschau halten, denn Sie enthalten eine Botschaft. Jede kurze Spielsequenz mit unserem Kleinkind, jedes „Mama, schau mal!“ Jedes „Fragst du mich noch Vokabeln ab?“ Jede Bemerkung wie „Ich habe eine Rückenverspannung!“ Jedes schimpfen über einen Lehrer, jede gemeinsame Mahlzeit- richtig entschlüsselt kann zu einem Moment der Nähe werden und unseren Fokus neu ausrichten. Denn in jeder nervenaufreibenden Ablösephase gibt es sie, die kleinen Möglichkeiten der Verbindung. Manchmal müssen wir dafür zwischen den Zeilen lesen und dann wird’s auch wieder leichter.


Corinna Muderer

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