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Elterliche Macht

Eltern sind mächtig. Sie haben die Macht über alle das Kind betreffenden Lebensbereiche und Entscheidungen. Kinder sind lange Zeit sogar existentiell von ihren Eltern abhängig, ohne sie könnten sie nicht überleben. Und die Kinder spüren das, sie wissen, dass sie sich an ihre Eltern binden und mit ihnen kooperieren müssen, um zu überleben. Sie tun das von sich aus ganz natürlich, sie vertrauen ihren Eltern und saugen alles auf, was diese tun und sagen. Eltern prägen die erste Sicht des Kindes auf sich, auf Beziehungen, auf das Leben und die Welt. Kinder sind darauf angewiesen, dass ihre Eltern mit dieser Macht verantwortlich und liebevoll umgehen, das familiäre Leben für die kindliche Entwicklung förderlich gestalten und ihren Kindern ihre Rechte zugestehen und sie altersgemäß miteinbeziehen.

Grundlegend ist, dass sich Eltern ihrer Macht und der damit verbundenen Verantwortung bewusst sind. Sie müssen sie annehmen und die Entscheidungen treffen, die das Kind noch nicht treffen kann. Tun sie das nicht, entsteht ein Machtvakuum und das Kind übernimmt Verantwortung, der es nicht gewachsen ist. Missbrauchen sie andererseits ihre Macht und wenden sie gegen das Kind, verhindern sie Entwicklung, und das Kind erlebt sich als überwiegend ohnmächtig und hilflos. Fühlen sich Eltern aus ihrer eigenen Geschichte heraus machtlos oder reagieren stark kontrollierend auf ihr Kind, entstehen häufig konfliktbehaftete zermürbende Machtkämpfe, die nirgendwo hinführen und bei denen es nur Verlierer geben kann.

Aufrichtige, nahe Beziehungen verhindern, dass Macht ein allzu großes Thema im familiären Alltag wird. Wenn Kindern nicht künstlich aufgezeigt wird, wie ohnmächtig sie sind, werden sie Regeln und Absprachen akzeptieren und sich nicht dagegen auflehnen. Wenn Eltern ihre Verantwortung übernehmen und klare Entscheidungen treffen und diese auf würdevolle Weise kommunizieren, haben Kinder keinen Grund diese zu hintergehen. Sie sind bestimmt nicht immer einverstanden damit, aber sie haben erfahren, dass sie ihren Eltern vertrauen können und es eine gute Idee ist, ihnen zu folgen und deren Entscheidungen zu akzeptieren.

Das „Grenzen testen“, das in aller pädagogischen Munde ist, ist in der Regel ein Suchen des Kindes nach den gelebten Werten und der Authentizität der Bezugspersonen sowie ein Prüfen der Tragfähigkeit der Beziehungen. Die Idee, darauf lediglich mit Härte und Ignorieren zu reagieren, ist glücklicherweise inzwischen veraltet. Hilfreich ist es in solchen Situationen, offenherzig, interessiert und wohlwollend den Kontakt zu suchen und miteinander ins Gespräch zu gehen. Dabei dürfen das Verhalten des Kindes und auch die persönlichen Grenzen klar benannt werden. Wichtig ist der Blick hinter das Verhalten des Kindes: was will es mir damit sagen? (Dazu mehr im Beitrag „Konzept des Guten Grundes“.) Kommt es im familiären Miteinander gehäuft zu Machtkämpfen, lohnt sich ein Blick auf die Beziehungen. Sind wir miteinander in Verbindung? Sind die gesetzten Regeln und Absprachen noch entwicklungs- und altersgemäß? Auch hier sind die Kinder darauf angewiesen, dass die Erwachsenen mit klarem Kopf und offenem Herzen über sie, sich selbst und die Situation reflektieren und nach Lösungen suchen.

 

Was für eine wunderbare, herausfordernde Aufgabe die menschliche Elternschaft doch ist. Klopfen sie sich selbst einmal kräftig auf die Schultern.

 

Hanna Articus
Räume für Menschen

 
Das Online-Portal für Eltern

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