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Mini-Impulse "Was kann ich tun, wenn ..."

In dieser Reihe geht es um kurze Antworten auf typische Fragen, die viele Eltern im familiären Alltag beschäftigen. Meistens tauchen diese Fragen auf, wenn es schwierig wird. In zwischenmenschlichen Beziehungen gibt es aus meiner Sicht eigentlich keine schnellen Lösungen. Methoden werden der Komplexität unseres Miteinanders und uns Menschen als feinfühligen Wesen oft nicht gerecht. Veraltete pädagogische Patentrezepte wirken zwar häufig kurzfristig, richten jedoch mittelfristig häufig Schaden auf der Beziehungsebene an oder wirken der Entwicklung des Kindes unbeabsichtigt entgegen. Die Antworten in dieser Reihe zielen nicht auf eine reine Verhaltensänderung des Kindes ab. Es geht vielmehr darum das Kind verstehen zu lernen und auf die dem Verhalten zugrunde liegenden Ursachen zu reagieren. In der Regel verändert das Kind das Verhalten dann ganz von selbst.

Teil 1: Was kann ich tun, wenn mein Kind nicht hört? Kommt drauf an...

Das „Hören und Folgen“, das hier gemeint ist, hat nichts mit Gehorsam des Kindes zu tun. Denn grundsätzlich kooperieren Kinder, vertrauen und folgen ihren Eltern ganz natürlich – einfach weil es eine gute Idee ist, diesen starken liebevollen und hilfreichen Menschen zu folgen. Wenn ich davon spreche, dass ein Kind nicht hört, meine ich, dass seine Kooperationsbereitschaft temporär unterbrochen ist. 

 

Lange Zeit wurde Eltern empfohlen, rein auf der oberflächlichen Verhaltensebene zu reagieren, wenn ihre Kinder nicht hören (z.B. wenn/dann-Drohungen). Inzwischen wissen wir, dass es viel zielführender und gesünder für die Entwicklung des Kindes und die Eltern-Kind-Beziehung ist, wenn wir auf Forschungsreise gehen, das Kind kennen und verstehen lernen. Das bedeutet: Eltern unterstellen ihren Kindern einen guten Grund für ihr Verhalten und suchen nach den Ursachen, um dann darauf abgestimmt zu agieren. Das bedeutet nicht, die Kinder gewähren zu lassen oder ihnen jeden Wunsch zu erfüllen. Es bedeutet sie zu sehen, zu wissen, dass sie nichts Böses im Sinn haben und sie aus einer eindeutig erwachsenen und zugewandten Haltung heraus zu führen und zu begleiten. Und was ist konkret zu tun, wenn das passiert? Es kommt darauf an, was dahintersteckt.

Eine kleine Auswahl was dahinterstecken kann, wenn dein Kind nicht hört und mögliche Umgangsweisen:

 

(1) Wenn dein Kind im Spiel versunken ist, mit etwas intensiv beschäftigt oder in einem anderen Raum ist, kann es dich tatsächlich nicht hören. Das kannst du tun: nimm aktiv Verbindung auf und stelle Kontakt her. Vielleicht gehst du auf Augenhöhe, berührst dein Kind, schaust ihm in die Augen: hört es dich jetzt? Versteht es dich? Sprich in klaren positiven Sätzen, formuliere was es tun soll oder was als nächstes ansteht.

 

(2) Wenn sich dein Kind entwicklungsbedingt in der Ablösung & Abgrenzung befindet und nicht hört, weil es unbedingt selbst entscheiden will: räume ihm im Alltag bewusst Selbstwirksamkeitserfahrungen ein und überlasse ihm altersgemäße Entscheidungen, die es wirklich tragen kann. „Wir gehen jetzt nach Hause. Sollen wir den Kiesweg oder den Waldweg nehmen? Oder: „Wir gehen jetzt ins Bad. Willst du selbst laufen oder soll ich dich Huckepack tragen?“. In diesen Phasen lernt dein Kind, bei den wichtigen Fähigkeiten für sich einzustehen, zu argumentieren und zu verhandeln.

 

(3) Dein Kind will etwas anderes als du, und du kannst oder willst ihm den Wunsch aktuell nicht erfüllen. Begleite seine Gefühle und verbalisiere sie: „Du wolltest so gerne ein Eis und ich sage nein. Das macht dich traurig“. Oder: „Dir gefällt es so gut auf dem Spielplatz/bei deinem Freund und jetzt bist du traurig weil ich möchte, dass wir gehen.“ Dein Kind wird sich gesehen und verstanden fühlen.

 

(4) Dein Kind musste den Tag über viel kooperieren (morgens beeilen, Regeln in der Kita oder in der Schule befolgen, auf dem Heimweg noch einkaufen…) und kann einfach nicht mehr. Bewahre den Weitblick und sei dir gleichzeitig bewusst, dass es eine Momentaufnahme ist. Es räumt z.B. jetzt seine Wäsche nicht auf. Nachher, nach einer kleinen Pause, kommt es deiner Aufforderung bestimmt nach. Oder du erledigst es für dein Kind. Denn auch wir Erwachsenen genießen es nach einem langen anstrengenden Tag, wenn jemand (ein anderer Erwachsener) etwas Nettes für uns macht oder uns etwas abnimmt. Das bedeutet nicht, dass dein Kind niemals hören oder aufräumen wird.

Wir Eltern dürfen unseren Kindern vertrauen und auf die gewachsene Beziehung setzen – im jetzigen Moment und mit Weitblick.

 

Hanna Articus

Räume für Menschen

 
Das Online-Portal für Eltern

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