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Das Selbstwertgefühl von Kindern

Das Selbstwertgefühl – das Gefühl für den eigenen Wert  eines Menschen -  ist eine wichtige Grundlage für seine seelische Gesundheit. Wie es um das Selbstwertgefühl eines Menschen bestellt ist, beeinflusst u.a. wie er oder sie sich selbst wahrnimmt, sich um sich selbst und sein Leben kümmert und sich in Beziehungen mit anderen verhält. Natürlich ist die Entstehung und die Erhaltung dieses elementaren Gefühls sehr komplex – in diesem Beitrag zeige ich, wie Eltern das Selbstwertgefühl ihres Kindes von Anfang an beeinflussen können.

 

Wenn Babies auf die Welt kommen, sind sie erst einmal einfach da. Sie finden sich selbst weder gut noch schlecht, sie haben Bedürfnisse und beginnen ab dem ersten Tag sich selbst, die Welt und andere Menschen kennen zu lernen. Ihr Gefühl für sich selbst und ihren eigenen Wert ist lange Zeit davon abhängig wie seine oder ihre Bezugspersonen mit ihm oder ihr umgehen. Dabei ist nicht von Bedeutung ob es gestillt oder mit dem Fläschchen gefüttert, getragen oder im Wagen geschoben wird. Wichtig ist, dass ein Baby im ersten Lebensjahr gesehen, seine Signale feinfühlig verstanden und prompt beantwortet werden. Wird es liebevoll berührt, angesehen und umsorgt, ist der erste Grundstein für ein gesundes Selbstwertgefühl bereits gelegt. Das Kind macht auf diese Weise die Erfahrung, dass es wichtig und wertvoll ist. Dabei geht es nicht um Perfektion – Kinder sind robuster als wir denken: sie halten aus, wenn wir mal einen schlechten Tag haben und ein paar Signale übersehen oder missinterpretieren. Es geht darum, dass unsere Babies und Kinder spüren, dass wir uns bemühen. Auch sie werden im Laufe ihres Lebens Fehler machen und etwas versäumen – wenn wir als Eltern allzu angestrengt versuchen jeden Fehler zu vermeiden, leben wir ihnen vor, dass Fehler etwas ganz Schlimmes sind. Es reicht völlig aus, dass wir unser Bestes geben und wenn wir etwas falsch machen, darüber nachdenken und reflektieren, was wir beim nächsten Mal anders machen können. Gut ist gut genug!

Wenn wir Erwachsenen liebevoll mit uns selbst sind, wenn wir etwas falsch machen, ist auch schon ein Teil des nächsten Grundsteins in Bezug auf den Selbstwert eines Kindes gelegt. Denn der Selbstwert eines Menschen hängt im besten Fall nicht davon ab, was und wie wir etwas tun. Im Idealfall spüren unsere Kinder, dass sie wertvoll und wichtig sind – ganz und gar unabhängig von ihren Leistungen, ihrem Verhalten, ihrem Aussehen – sie sind wertvoll, einfach weil sie da sind.

 

Viele Eltern bekommen an dieser Stelle ein Grummeln im Bauch, Herzklopfen, schwitzige Hände, ein nervöses Zucken um die Augen. Natürlich wollen sie, dass ihr Kind sich wertvoll fühlt. Doch gleichzeitig fallen ihnen Verhaltensweisen ihrer Kinder ein, zu denen sie weder Ja sagen können noch wollen.

Und das müssen sie auch gar nicht. Doch wie geht das, das Fehlverhalten eines Kindes zu korrigieren und gleichzeitig seinen Selbstwert zu erhalten?

Zunächst einmal ist es eine Haltungsfrage – wenn Eltern tief in sich spüren, dass sie selbst und auch ihre Kinder gut sind wie sie sind, egal was sie tun, spüren Kinder das. In diesen Beziehungen werden Verhalten und Person getrennt voneinander wahrgenommen und besprochen. Das Kind erfährt und verinnerlicht: Ich habe etwas gemacht, das meine Eltern geärgert hat. Das ändert nichts daran, dass sie mich gernhaben.

Als Eltern ist es wichtig zu prüfen, ob und unter welchen Umständen das kindliche Verhalten tatsächlich Fehlverhalten ist. Eltern können sich dazu fragen: Was will mir mein Kind vielleicht mitteilen? Welche Bedürfnisse sind vielleicht offen, auf die es gerade aufmerksam macht? Fühle nur ich mich gestört? Ist sein Verhalten in diesem Rahmen unpassend und in einem anderen wäre es okay? Welche Lösungen fallen mir ein?

Auch wenn es auf diese Fragen gute Antworten gibt (und die gibt es immer, dazu mehr im Beitrag zum Konzept des Guten Grundes), das Fehlverhalten also einen guten Grund hat und vermutlich aufhört, sobald die Ursache bekannt und beantwortet ist – auch dann dürfen und sollen wir unseren Kindern Rückmeldung geben. Sie lernen auf diese Weise einerseits viel über sich selbst, gleichzeitig erfahren sie wie zwischenmenschliche Beziehungen funktionieren und erleben, dass auch ihre Mitmenschen Bedürfnisse, Gefühle und Gedanken haben. Dabei kommt es darauf an, wie Eltern ihren Kindern Rückmeldung geben.


Rückmeldungen sind dann selbstwerterhaltend wenn sie:

•      Person und Verhalten trennen

•      dem Kind einen guten Grund unterstellen

•      Ideen beinhalten, aus welchem Grund sich das Kind gerade so verhält (so erfährt das Kind etwas über sich selbst)

•      sich auf diese eine Situation beziehen

•      konkret formuliert werden

•      die Würde des Kindes wahren

•      in Ich-Botschaften und frei von Vorwürfen formuliert sind

•      und klare, umsetzbare Veränderungswünsche beinhalten.

Unbedingt verzichten sollten Eltern auf:

•      Verallgemeinerungen wie IMMER und ALLES

•      Beschämungen, Verhöhnen, Beleidigungen, Drohungen

•      die Übergabe der Verantwortung an das Kind für eigene Gefühle (wegen dir bin ich traurig...du machst mich wütend…)

•      Anschreien

•      emotionale Erpressung

•      Liebesentzug durch Ignorieren

Ein Beispiel aus dem Alltag:

Marions Tochter Susanne kommt aus der Schule und möchte Marion gerne erzählen, was in der Pause passiert ist. Außerdem hat sie großen Hunger. Doch Marion ist noch nicht ganz fertig mit kochen. Sie muss ein wichtiges berufliches Telefonat führen und nebenher schauen, dass das Baby zufrieden bleibt. Susanne spielt betont laut direkt neben Marion und hört auch nicht auf, als Marion sie mehrmals mit Handbewegungen bittet, doch bitte in ihrem Zimmer weiter zu spielen. Marion bittet ihren Anrufer kurz zu warten, wendet sich Susanne zu und sagt: „Hallo Susanne, ich weiß dass du Hunger hast und dass die Zeit meines Telefonats ungünstig ist. Es ist mir aber wichtig. Ich will dass du jetzt wartest und dich bitte ruhig verhältst bis ich fertig bin. Ich beeile mich. Nach dem Essen nehme ich mir dann viel Zeit für Dich, sobald das Baby schläft“.

 

Eltern, die selbst auf diese Weise ins Leben begleitet wurden, fällt diese Art mit ihren eigenen Kindern umzugehen nicht schwer. Sie müssen vermutlich nicht einmal darüber nachdenken, für sie ist das ganz selbstverständlich. Sie betrachten ihre Kinder mit demselben Glanz in den Augen, mit dem sie sie als Babies betrachtet haben. Sie äußern Kritik konstruktiv und so, dass die Würde des Kindes und sein Selbstwert immer bewahrt werden. Wer selbst jedoch als Kind oft beschämend kritisiert wurde, erlebt hat, dass Fehler etwas Unverzeihliches sind und man vor allem dann geliebt wird, wenn man sich so verhält, wie es von einem erwartet wird – darf hier zusammen mit seinen Kindern neue Wege gehen und lernen:

•      dass Fehler völlig normal, menschlich und sogar hilfreich sind und

•      dass alle Menschen, groß und klein, völlig in Ordnung sind, auch wenn sie Fehler machen und zeitweise unbequem sind.

 

Hanna Articus

 
Das Online-Portal für Eltern

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