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Friede, Freude, Überreizung

Kinderfest, Sommerfest, Grillparty, Freibad, Ausflüge, Urlaube – der Sommer bietet uns so viele wunderbare Vergnügungen an. Wir treffen viele Menschen, fahren Karussell, naschen Besonderheiten, bleiben lange wach, sind viel unterwegs, sehen Neues, erleben Aufregendes.

Für viele Eltern sind diese nicht alltäglichen Aktionen mit viel Mühe verbunden: Ausflug vorbereiten, Umgebung auf Unsicherheiten checken, Kinder beaufsichtigen, intensive Trauer und Wut begleiten. Was? Warum das denn? Soviel Aufwand um den Kindern etwas Außergewöhnliches zu bieten und dann sind sie nicht mal glücklich? Was ist da los? Ist mein Kind vielleicht undankbar? Oder ein Stubenhocker?


Nein, hier geht es nicht um fehlende Dankbarkeit. Wenn ein Kind bei solchen Aktionen intensive Gefühle zeigt, ist es vermutlich überfordert aufgrund der vielfältigen neuen Reize, die auf es einströmen und den vielen Gefühlen, die diese in ihm auslösen.

Das bedeutet nicht, dass solche Aktionen vermieden werden oder grundsätzlich im Desaster enden müssen. Hilfreich ist es, die Perspektive des Kindes einzunehmen und ein paar Aspekte zu beachten:

·         Das Kind kann mit solchen Herausforderungen am besten umgehen, wenn seine Grundbedürfnisse gestillt sind: das bedeutet es ist ausgeschlafen, satt, bequem angezogen und konnte sich beispielsweise nach einer längeren Autofahrt ausreichend bewegen.

·         Das Bedürfnis nach Nähe und Sicherheit wird immer beantwortet, wenn das Kind aufgeregt und unsicher ist und zum Beispiel auf den Arm möchte.

·         Das Bedürfnis nach Bewegung und Selbstwirksamkeit wird ausreichend gesehen und das Kind muss z.B. nicht durchgehend im Buggy sitzen.

·         Wenn es sehr laut ist, können Ohrenschützer oder ausreichend Abstand zum Lärm Abhilfe schaffen.

·         Gute Vorbereitung ist auch wichtig: ausreichend Wasser und gesunde Snacks, vielleicht eine Picknickdecke und Wechselkleidung können wohltuend sein.

·         Im Umgang mit anderen Menschen ist wichtig, dass ihr euer Kind beobachtet und es gegebenenfalls begleitet oder auch beschützt. Vor allem bei Familienfeiern nehmen viele Menschen, mit denen das Kind unter Umständen nicht besonders vertraut ist, herzlich Kontakt auf und wollen mit dem Kind spielen, Späße machen oder es gerne auf den Arm nehmen. Manche Kinder sind kontaktfreudig und genießen diese ungeteilte Aufmerksamkeit in vollen Zügen. Andere wollen das lieber nicht oder zumindest nicht gleich, können sich aber vielleicht noch nicht ausreichend verbal mitteilen oder trauen sich vielleicht nichts zu sagen. Hier braucht es Erwachsene, die die Signale des Kindes wahrnehmen und freundlich aber bestimmt kommunizieren und gegebenenfalls Grenzen setzen.

·         Karussells für die es zu groß oder zu klein ist, das gekaufte Los war leider eine Niete, das Eis war zu schnell aufgegessen, der Ballon fliegt davon – neben den vielen Reizen bieten solche Ausflüge und Aktionen viele Anlässe für kleine und große Krisen. Echtes, liebevolles Verständnis („Wie schade, das hat so Spaß gemacht, jetzt ist die Fahrt vorbei“) ist äußerst wirksam in der akuten Situation und stärkt außerdem die Verbindung zwischen euch und eurem Kind.

·         Wenn das Kind signalisiert, dass es ihm zu viel ist (weint, „ist drüber“, dreht auf, schreit, haut, rennt nur noch, verbirgt den Kopf im Arm der Eltern etc.), ist bedeutsam, es ernst zu nehmen und ihm zu sagen, dass das okay ist. Es wirkt dann Wunder, immer wieder kleine Pausen einzulegen und fernab lauter, bunter Reize zu kuscheln, in den Himmel zu schauen, Wasser zu trinken oder sich gemeinsam zu bewegen (rennen, hüpfen, balancieren, verstecken spielen).

·         Die aufgewühlten Gefühle dürfen sein und werden im Idealfall von einem einfühlsamen, zugewandten Erwachsenen wahrgenommen, begleitet und reguliert. „Ja, hier ist ganz schön was los. Das ist ganz schön aufregend für dich, komm wir setzen uns kurz zusammen hier hin und atmen mal gaaaaaaaaanz lange aus“.

·         Die Eltern achten auf Signale, wann es endgültig genug und Zeit zu gehen ist. Manchmal stehen sich Eltern hier selbst im Weg, wenn sie vielleicht viel Geld für den Eintritt bezahlt haben oder eine lange Anfahrt hatten. „Man soll gehen, wenn es am schönsten ist“ kann hier durchaus Sinn machen. Vielleicht passt es auch zu eurer Familie, von vornherein festzulegen, wann ihr wieder gehen werdet. Ihr kennt euer Kind am besten und könnt gut abschätzen, wie lange es wirkliche Freude am Ausflug oder Fest empfinden wird.  

Die Verantwortung für die Atmosphäre bei Ausflügen und das Wohlbefinden des Kindes tragen grundsätzlich die Eltern, nie das Kind. Wenn Eltern eigene Gefühle des Bedauerns in sich spüren, weil sie zum Beispiel gerne selbst länger bleiben oder sich ungestört unterhalten wollten, müssen sie diese selbst versorgen und Lösungen für sich finden (z.B. später noch einmal alleine oder mit Freunden losziehen). All diese Tipps gelten natürlich nicht nur im Sommer sondern auch zu allen anderen Jahreszeiten für Ausflüge und Familienfeste wie Weihnachten und Geburtstage.

Im Grunde braucht es gar nicht viel – ausreichend Pausen und ein verständnisvoller Blick aufs Kind – und das nächste Fest ist wirklich ein Grund zum Feiern!

 

Viel Freude, Hanna Articus
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