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Gemeinsam verbrachte Zeit

Gemeinsam verbrachte Zeit ist wertvoll

 

Jede Familie ist anders und einzigartig. Die eine Familie braucht klare Abläufe und Strukturen, eine andere mag es lieber flexibel und spontan. In einer Familie sind alle Tage vollgepackt mit bunten, vielfältigen Terminen wie Sportverein und Musikschule, eine andere Familie gestaltet ihre Tage lieber von Tag zu Tag und genießt es, auch einmal Langweile aufkommen zu lassen. In der einen Familie sind alle Familienmitglieder viel zusammen und verbringen zum Beispiel Zeit bei einem gemeinsamen Hobby, in einer anderen geht jedes Familienmitglied überwiegend eigene Wege und Begegnung findet vor allem zu den Mahlzeiten statt. Und dann gibt es noch jede Menge dazwischen. Erlaubt ist, was euch allen guttut.

Wie auch immer ihr euren Alltag gestaltet, für eure Kinder ist gemeinsame freie Zeit mit euch besonders wertvoll. Dieser besondere Wert ist erst einmal unabhängig davon, was ihr in dieser Zeit erlebt. Es geht nicht darum, dass ihr kostspielige Unternehmungen macht. Wirkungsvoll ist, dass ihr zusammen seid: lasst eure Kinder euch spüren, erleben und sehen. Erlebt, spürt und seht eure Kinder.

 

Dazu ist aus meiner Sicht auch wichtig, dass die freie Zeit auf verschiedenen Ebenen frei ist:

•      Seid ganz da, ganz präsent – eure gemeinsame Zeit ist im Idealfall frei von Ablenkungen  wie zum Beispiel andere Themen (Sorgen bei der Arbeit, Gedanken rund um Haushalt oder sonstige Erledigungen), Handys und anderen Geräten.

•      Fallt aus der Zeit – wunderbar ist, wenn der Zeitrahmen ganz frei sein kann und ihr euch ganz einlassen könnt, ohne den ständigen Blick auf die Uhr. Das bedeutet nicht, dass es immer darum geht, besonders lange freie Zeitfenster zu haben. Lieber öfter, auch wenn es nicht lange ist. Ihr könntet zum Beispiel einen Wecker klingeln lassen, falls ihr tatsächlich ein begrenztes Zeitfenster habt.

•      Besonders erleichternd wirkt, wenn ihr euch innerlich frei machen könnt von Erwartungen. Es geht in dieser Zeit nicht darum etwas zu leisten, ein Ziel zu erreichen oder etwas besonders sinnvolles zu tun – der Sinn der Sache ist die gemeinsame freie Zeit.

Manchen Eltern macht die Vorstellung solcher Unternehmungen Stress. Es gibt verschiedene innere und äußere Hürden, die dazu führen können, dass Eltern dafür keinen Raum eröffnen oder gemeinsame freie Zeit sogar vermeiden. Ich beschreibe bei jedem Punkt in wenigen Sätzen alternative Sichtweisen, die euch einladen, es trotzdem einmal auszuprobieren.

 

•      Die Sorge vor Konflikten (ihr mit den Kindern oder die Geschwister untereinander)

Konflikte sind natürlich, normal und wichtig. UND sie sind anstrengend. Umso wichtiger ist es, auch leichte Zeit miteinander zu erleben. Ja, es kommt auch in solchen freien Zeiten zu Konflikten. Manchmal sogar verstärkt und gehäuft, weil die Kinder unter Umständen spüren, dass jetzt Raum dafür vorhanden ist. Dann ist es eben so. Versucht es gelassen zu nehmen und begleitet die Konflikte – jetzt habt ihr vielleicht mehr Energie dafür als im familiären Alltag.

•      Wann sollen wir das denn machen? Wir haben keine Zeitfenster, vielleicht ein/zwei mal im Jahr oder mal an einem Sonntag

Meines Erachtens kommt es gar nicht so sehr darauf an, dass es große Zeitfenster sind. Ihr könnt stattdessen versuchen, kleine freie Zeitfenster in den Alltag einzuflechten oder prüfen, wo vielleicht schon welche sind, die ihr bisher noch gar nicht als solche erkannt habt: Leerläufe, Übergänge, terminfreie Zeiten – die gilt es dann freizuhalten und bewusst gemeinsam als wertvolle Schätze wahrzunehmen

•      Kosten – Ausflüge können sehr teuer sein, müssen sie aber nicht.

Kindern ist nicht so wichtig, was ihr macht in dieser Zeit. Sie lieben und genießen es, mit euch zu sein. Wirklich, probiert es aus! Eine kleine Ideensammlung, was ihr in dieser Zeit kostenfrei zusammen machen könnt: Waldspaziergänge, ein Ballspiel mit frei erfundenen Regeln, zusammen malen, im Bett/Sofa/Wiese/Hängematte liegen und Geschichten erzählen, Wandern, am Fluss/See/Meer sein (egal welche Jahreszeit, egal welches Wetter) und Staudämme bauen, Schiffe fahren lassen, Steine werfen...

•      „Die Kinder haben darauf keine Lust“

Immer mal wieder kommen Kinder auf ihrer Entwicklungsreise nicht so gerne mit oder sind nicht für all eure Ideen zu begeistern – sie lösen und grenzen sich ab. Auch das ist natürlich, normal, wichtig und nicht gegen euch, auch wenn es sich für euch vielleicht so anfühlt. Ladet sie dennoch immer wieder ein, nehmt sie mit wenn sie es zulassen, fragt sie was sie gerne machen wollen, lasst euch auf ihre Interessen ein, findet Zeitfenster und Aktionen, die für sie und euch stimmig sind. Es gibt verbindende Lösungen und auch wieder andere Momente. Ihr dürft also gelassen bleiben und vertrauen.

•      „Es ist so stressig zur Zeit, da kann ich sowas nicht auch noch gebrauchen.“

Erst recht wenns drunter und drüber geht, sollten Familien die schönen, leichten Momente nicht aus den Augen verlieren oder aus dem Kalender streichen. Meines Erachtens sollten sie in diesen Phasen sogar extra freie Zeiten in den Kalender eintragen: zum einen, um die alltäglichen Aufgaben zu unterbrechen und etwas Wunderbares daneben zu stellen. Und um die leeren Tanks wieder aufzufüllen und Kräfte zu sammeln – dann lassen sich die anstrengenden Momente auch wieder leichter bewältigen. Wichtig ist vielleicht auch, sich die Erlaubnis zu geben, dass es leicht sein darf.

•      Innere Spannungszustände wie z.B. die Unsicherheit, solche offenen Situationen nicht gut aushalten zu können

Im Rahmen der Elternschaft stoßen Eltern immer mal wieder an ihre persönlichen Grenzen. Diese können auch dazu einladen für sich einzustehen, über sich hinauszuwachsen und neue Erfahrungen zu machen. Es ist völlig okay, diese inneren Grenzen wahrzunehmen, das eigene Tempo zu gehen und gut für sich zu sorgen. Das kann bedeuten, ganz kleine Schritte zu gehen oder auch sich Unterstützung zu holen.

•      die Sorge, die Kinder zu verwöhnen oder zu viel zu unterhalten

Es geht hier viel mehr darum, den Fokus auf das Miteinander zu legen, als die Kinder mit konsumorientierten Aktionen zu beschäftigen. Es ist eine wunderbare Möglichkeit, die Beziehung zu den Kindern zu stärken. Denn in diesen freien Zeiten könnt ihr wahre, verbindende Schätze entdecken, wenn ihr euch einander anders als alltäglich und ent-spannt erlebt.

Ich zeige euch mit ein paar Fotos von unserem letzten Spaziergang, was ich in unserer Familie so entdeckt habe.

 

Wir mussten bei unserer Wanderung einen kleinen Wasserlauf überqueren, und ich war gespannt welchen Weg unsere Abenteurer wählen werden...die Brücke oder über die Steine...

 

Ein großes Spinnennetz lud zum Klettern ein...auch den Papa. Die Kinder haben sich so gefreut, dass er sich auch getraut hat, bis ganz nach oben zu klettern.

 

Die Brüder haben mit vereinten Kräften einen Staudamm gebaut – Balsam für die Geschwisterbeziehung.

 

Auf den Wegen haben wir uns Geschichten erzählt und bewusst unsere Sinne genutzt, um uns uns unsere Umgebung ganz bewusst wahrzunehmen. So waren wir ganz im jetzigen Moment und weit weg von alltäglichen Herausforderungen wie Hausaufgaben, Haushalt und Vergleichbarem.

 

Viel Neugier und Freude bei eurer nächsten gemeinsamen, freien Zeit!


Hanna Articus

Räume für Menschen

 
Das Online-Portal für Eltern

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