Verwöhnen - Was Kindern gut tut und was ihnen schadet

Keine Frage: Kinder brauchen viel Liebe, Aufmerksamkeit und Zeit. Davon können sie gar nicht genug bekommen. Und das ist gut so. Aber es tut Mädchen und Jungen nicht gut, wenn ihnen jeder Wunsch von den Augen abgelesen wird und Eltern ihnen alle Schwierigkeiten aus dem Weg räumen.

Das dritte Überraschungsei

Lotta, fünf Jahre, geht mit ihrer Mama zum Einkaufen. In der Schlange an der Kasse bettelt die Kleine: „Darf ich ein Überraschungsei?“ Obwohl es schon das dritte in diese Woche ist, wandert das begehrte, mit Schokolade überzogene Plastikei in den Einkaufswagen. „Lillifee-Sticker! Süß! Die will ich haben!“, verlangt die Fünfjährige. Auch sie werden aufs Kassenband gelegt. Als die Mutter den Einkaufswagen bis zum Auto geschoben hat und aufschließt, setzt sich Lotta auf ihren Kindersitz. Während ihre Mama die Einkäufe im Kofferraum verstaut, lässt Lotta sich die Schokolade schmecken. Zu Hause angekommen, reißt sie die Stickerpackung auf beklebt ihre rosa Spielkonsole mit den Glitzerbildchen. Lotta möchte das neue Lillifee-Spiel, das ihr die Oma gestern mitgebracht hat, an der Spielkonsole ausprobieren. In der Zwischenzeit wäscht ihre Mama die Schokoladenflecken aus Lottas Jacke. Aber die Mutter tut noch viel mehr. Sie bindet ihrer Tochter die Schuhe, obwohl die Mädchen und Jungen in Lottas Kindergarten das gerade üben. Sie kauft sofort einen Ersatz, wenn die Lillifee-Strumpfhose ein Loch hat oder Lottas Prinzessinnen-Tasse entzwei gegangen ist.

Verwöhnte Kinder werden unselbständig

Beispiele wie diese sind gar nicht so selten. Eltern ziehen Prinzessinnen und Prinzen heran – oft aus einem schlechten Gewissen heraus, weil Mütter und Väter häufiger unter Zeitmangel leiden. Doch Zeit sparen Eltern nicht, wenn sie ihre Kinder verwöhnen. Denn die werden immer anspruchsvoller und unselbständiger. Hinzu kommt: Kinder, die über die Maßen verwöhnt werden, denen man jeden Wunsch von den Augen abliest, werden in der Schule und im Berufsleben einmal ein böses Erwachen erleben. Denn niemand hat ihnen beigebracht, dass ein Wunsch Zeit zur Erfüllung braucht und dass nicht immer jemand da ist, der die unangenehmen Dinge für sie erledigt und zum Beispiel Schokoladeflecken aus der Kinderjacke entfernt – wie in Lottas Beispiel.

Kinder brauchen Liebe und Wertschätzung

Verwöhnen hat immer drei Seiten – eine emotionale, eine handelnde und eine materielle. Emotional verwöhnen können Eltern ihre Kinder nur im positiven Sinne. Mädchen und Jungen, die sich bei Mama und Papa sicher und geborgen fühlen, denen Liebe, Wertschätzung, Interesse und Zeit entgegengebracht wird, haben eine sichere Basis, von der aus sie die Welt entdecken können, die ihnen Selbstsicherheit und Mut gibt. Emotionales Verwöhnen verleiht der Seele Flügel und macht widerstandsfähig gegenüber schlechten Einflüssen.

Die Seele nicht mit Ballast überhäufen

Materielles Verwöhnen hingegen sorgt dafür, dass die kindliche Seele mit Ballast überhäuft wird und das Kind den Überblick verliert. Besser, als ein Kind mit Spielkonsolen und entsprechender Software, mit Puppen und den dazu gehörigen Stickern zu überhäufen, wären folgende Ideen: sich selber mit alten abgelegten Nachthemden von Mama und Oma als Prinzessin verkleiden; sich ein Puppentheaterstück vom bösen Zauberer und der Prinzessin ausdenken; sich von Mama und Papa Prinzessinnen-Geschichten vorlesen oder erzählen lassen usw. Vorgefertigte Dinge lähmen die Fantasie eines Kindes. Hinzu kommt noch etwas anderes.

Verzichten und Warten lernen

Kinder, denen alles von den Augen abgelesen wird, stellen mit der Zeit immer höhere Ansprüche. Eine Frustrationstoleranz kann so nicht aufgebaut werden. Für Kinder bricht sozusagen eine Welt zusammen, wenn ihnen mal ein Wunsch verwehrt wird. Vielleicht wird ja das Geld in der Familienkasse mal knapper. Doch den verwöhnten Prinzessinnen und Prinzen fehlt auch dann jegliches Verständnis, dass nicht alles erfüllt werden kann. Doch schon für kleine Menschen ist die Fähigkeit des Verzichtens und des Wartenkönnens wichtig. Sie müssen lernen, dass zur Erfüllung eines Wunsches auch eigene

Anstrengung gehört: zum Beispiel das Taschengeld sparen und so lange auf anderes verzichten, bis man den Geldbetrag für einen dringenden Wunsch zusammen hat.

Schonhaltung macht träge

Bleibt die handelnde Verwöhnung. Immer mehr Eltern neigen heute zur Überbehütung ihres Nachwuchses. Sie möchten ihr Kind vor allem möglichen schützen und packen es leider allzu oft in Watte. Dabei gehören Missgeschicke und Verletzungen zum Leben dazu. Verbieten Eltern ihren Kindern zuviel, werden diese in ihrer Entwicklung gehemmt. Ein Kind, das sich hoch aufs Klettergerüst hinaus wagt, sollte nicht zurückgehalten werden – ebenso wenig das Kind, das zum ersten Mal allein zum Einkaufen gehen oder Pudding kochen möchte. Überbehütende Eltern verbieten oder reden ihrem Kind Dinge aus, die es eigentlich selber leisten könnte. „Ich putz das schon selber weg!“ Oder: „Du brauchst mir nicht beim Abwasch zu helfen. Allein bin ich viel schneller fertig.“ Kinder, die ständig so abgespeist werden, verlieren bald die Lust sich einzubringen und werden von selbst immer träger.

Was Kinder und Eltern lernen sollten

Verwöhnung schadet Kindern, wenn sie mit Süßigkeiten, Geschenken und Geld überhäuft werden; wenn Wünsche immer sofort erfüllt werden; wenn sie bei jedem Unwohlsein oder bei jedem Missgeschick in Watte gepackt werden; wenn Eltern ihnen bei Dingen helfen, die ihr Kind mit etwas Mühe selbst durchführen oder erlernen könnte; wenn Eltern Konflikte für ihr Kind lösen statt ihm Eigeninitiative zuzutrauen; wenn sie ihm keine Pflichten im Haushalt auftragen, denn dann lernt das Kind: Fürs Unangenehme sind andere da.

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