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Adventsgeschichte vom Listerle

Geschichte zum 13. Dezember

Listerle der Weihnachtswichtel

Alle sind draußen im tiefen Schnee, Anni, Jakob, Mutter und Vater. Auf der großen Wiese neben dem Haselbuschweg rollt jeder eine Schneekugel vor sich her. Vor Anni liegt eine Kugel, die so groß ist, dass sie ihr fast bis zum Bauch reicht. „Ich kann nicht mehr weiterrollen, der Schnee ist so schwer. Wer kann mir helfen?“, ruft sie den anderen zu. Die Mutter stapft zu ihr hin. Es hat gestern heftig geschneit. Bis zu den Knien reicht Anni der Schnee. Gemeinsam rollen sie die Schneekugel Richtung Wiesenrand. Dort sind Vater und Jakob am Werk und setzen die Schneekugeln aufeinander, ganz unten die größte und dickste, darauf die zweitgrößte. Um die dritte Schneekugel oben auf zu setzen, helfen alle mit.

Sinnend steht Jakob vor dem Werk. „Der Schneemann sieht eigentlich aus wie ein Schneebär“, meint er. „Au ja“, sagt Anni hocherfreut, „wir machen einen richtigen Schneebär, der sitzt“ und schon rollt sie ihre Kugel als rechtes Hinterbein vor den Bären hin. Voller Tatendrang schaffen alle zusammen weiter; es muss noch Schnee gerollt werden für die anderen Bärenbeine. Vater streicht über den Körper, nimmt hier etwas weg und fügt dort wieder Schnee dazu. Die Bärenschnauze ist zu erkennen, die Ohren finden ihren Platz auf dem Kopf. Jakob hat die kleine Baumhausleiter geholt und an den Bären angelehnt, damit auch er und Anni bis zum Kopf hinaufreichen und beim Formen helfen können.

Als Anni zum Garten hinüberschaut entdeckt sie zwei Fußspuren nebeneinander im sonst noch unberührten Schnee, kann aber niemanden sehen. Doch, da unterm Haselbusch entdeckt sie Listerle und Luna. Sie schauen erstaunt zu den Bauenden herüber. „Hallo Listerle, hallo Luna“, ruft Anni und winkt ihnen zu. „Kommt herüber zu uns.“

Langsam suchen sich die beiden einen Weg durch den Schnee. Anni hört ihre Mutter sagen, während diese über die glatten Formen streicht: „Du bist doch ein prächtiger Schneebär geworden.“ Groß, rund, gemütlich und seine Tatzen einladend öffnend sitzt er da. Jakob stellt sich stolz vorne zwischen die Bärentatzen, Anni setzt sich zu Jakobs Füßen zwischen die Bärenbeine. Beide haben rote Schaffensbäckchen und strahlen mit der gerade durch die Schneewolken schauenden Sonne um die Wette.

Luna streicht um den Schneebären und beschnuppert ihn ausgiebig. Und Listerle? – mit großen Augen steht er da und schaut und schaut. „Das ist doch Zauberei. Aus den vielen kleinen weißen Schneeflocken ist sooooo ein großer, schöner Schneebär entstanden.“ Und freudig setzt er sich zu Anni und Jakob dazu.

Geschichte zum 14. Dezember

Listerle ‍der Weihnachtswichtel

Knack - knack macht es im Esszimmer. Und wieder knack - knack. Jakob kommt neugierig herein und sieht seine Mutter am großen Tisch sitzen, auf dem zwei Berge mit Nüssen liegen. Beim Näher kommen entdeckt er, dass einer ‍der Nussberge aus leeren Walnuss-Schalen besteht. Daneben steht ein Vorratsglas mit den gesammelten Nusskernen. „Darf ich dir helfen beim Nüsse knacken, Mama?“ fragt Jakob. „Oh ja gerne“, sagt Mutter erfreut. „Schau, hier habe ich noch einen Nussknacker für dich“. Fast wie eine Zange sieht ‍der Nussknacker aus. Jakob hat schon öfter beim Nüsse knacken geholfen und kann deshalb schon sehr geschickt damit arbeiten. Er legt eine Nuss nahe dem Scharnier längs in den Nussknacker, umfasst die beiden Griffe mit einer Hand und mit Hilfe ‍der zweiten Hand drückt er den Nussknacker zusammen. Knack macht es wieder und die Nuss ist entzwei. „Ich habe Glück gehabt“, sagt Jakob, „dieses Mal ist die Nuss in zwei heil gebliebene Nusshälften gebrochen.“ Mit seinen geschickten Fingern pult er die Nusskerne aus den Schalen und legt sie zu den anderen ins Vorratsglas.

Anni kommt um die Ecke. „Nüsse zu verkaufen, gute Nüsse zu verkaufen!“ In einem kleinen Kaufladenkörbchen bringt Anni ihre Nikolaus-Nüsse mit. „Was möchtest du denn für eine gute Nuss habe?“ fragt die Mutter. Anni antwortet: „Am liebsten die Nusskerne, die drin stecken.“ Mmmhhh, die Nikolausnüsse sind doch die allerbesten Nüsse.



Währenddessen hat Jakob die heil gebliebenen Nusshälften an einem extra Plätzchen gesammelt. Er möchte spä‍ter daraus Kerzenschiffchen machen. Da bemerkt er Listerle neben sich wie er mit einer leeren Nusshälfte auf dem Tisch spielt. Verwundert betrachtet Listerle sie und sagt: „Ein rechter Schatz ist doch so eine Walnuss. Ist ‍der wertvolle Kern draußen, bleibt uns ein schön geformtes Nussschiffchen übrig. Ja, sooooo wundersam ist diese Nuss.“ Jakob lächelt Listerle liebevoll an. „Morgen Listerle sollst du unbedingt wieder kommen, denn morgen backen wir leckere Sachen mit den Nusskernen.“

Geschichte zum 15. Dezember

Listerle der Weihnachtswichtel

Mit beiden Händen knetet Anni den Teig nochmals durch. Ab und zu wandert ein kleines Stückchen in ihren Mund. Mmmh, das schmeckt so lecker. Linzertorte ist ihr Lieblingskuchen, er schmeckt so sehr nach Weihnachten. In dem Teig sind die geknackten Nüsse von gestern. Manchmal ist noch ein gehacktes Nuss-Stückchen zu sehen. Anni und Jakob helfen sich gegenseitig beim Auswellen des Teiges. Beide haben eine kleine Kinderbackform. Mutter reicht Anni ein offenes Marmeladenglas. „Hier Anni, nimm’ unsere Johannisbeermarmelade vom letzten Sommer, die schmeckt am besten auf der Linzertorte.“ Mit dem Löffel streicht Anni die Marmelade auf dem Teigboden schön gleichmäßig glatt, dann gibt sie das Glas an Jakob weiter. Und nun kommt die schönste Arbeit. Der Kuchen bekommt als Krönung eine schöne Verzierung auf die Marmelade. Zuerst macht Anni einen wunderschönen Wellenrand. Dann greift sie gezielt zu den kleinen Ausstecherle und sagt fröhlich: „Mein Kuchen bekommt lauter Herzchen und Sternchen drauf.“ Sorgfältig legt sie die ausgestochenen Formen auf die Marmelade - in die Mitte die Herzchen und außen herum einen Sternenkranz. „Jakob, schau mal wie schön.“ „Eine richtige Sternenkrone ist das geworden.“ Und sie klatscht befriedigt in die Hände. Als Anni zu Jakob schaut ist sie sehr erstaunt: „Oh, du kannst ja deinen Kuchen schon so schön wie Mama verzieren.“ Glücklich durch das Lob seine Schwester betrachtet Jakob sein Gittermuster, das so schön gleichmäßig geworden ist. Nachdem Anni und Jakob die Verzierungen mit Eigelb bestrichen haben, schieben sie ihre Kuchen in den heißen Backofen.

Da endlich kommt Listerle zu ihnen. Er steht zwischen den beiden Kindern und betrachtet ihre leckeren Werke. Einmal schaut er rechts und einmal links. „Kaum zu glauben, dass ihr diese prachtvollen Kuchen ganz alleine gemacht habt. Sie sehen sooooo meisterhaft aus und haben einen herrlichen Duft.“

In Cellophanpapier verpackt wollen sie ihre gebackenen Linzertorten zu Weihnachten verschenken.

Geschichte zum 16. Dezember

Listerle ‍‍der Weihnachtswichtel

Es liegt noch immer Schnee. Eine lange Karawane ist auf dem steilen Weg am Rande des Dorfes in Richtung Wald unterwegs. Jeder zieht einen Schlitten hinter sich her. Heute sind gute Freunde mit vielen Kindern da. Alle müssen ihre Augen etwas zukneifen, denn die Sonne lässt den Schnee glitzern, als ob er aus tausend funkelnden Edelsteinen bestehen würde.

Oben am Waldrand angekommen, bleibt Jakob auf einmal stehen. „Hier sind ja ganz viele Spuren im Schnee. Sie führen in den Wald.“ Alle Kinder versammeln sich bei Jakob. Kreuz und quer führen die Tierspuren in verschiedene Richtungen in den Wald. „Diese Abdrücke hier sehen genauso aus wie bei unserem Vogelhäuschen“, sagt Anni und betrachtet sie noch einmal eingehend. „Es sind drei Strichlein, die wie Strahlen auseinander gehen“, stellt sie befriedigt fest. Vater kommt hinzu und meint: „Ja, sie stammen vielleicht von einer Meise.“

"Aber zu wem gehören diese Spuren?“, fragt Jakob. Die Kinder schauen staunend einer Fährte nach, die im nahen Gebüsch verschwindet. „Ich glaube, da war ein Feldhase unterwegs“, sagt Jakobs Freund. „Ja, genau“, sagt Vater, „die Feldhasenspur kann man gut erkennen. Immer zwei kleinere Tapsen hintereinander, dann zwei größere lange nebeneinander und so weiter.“ Anni ruft fröhlich aus: „Das sieht ja aus wie bei dem Himmel und Hölle-Hüpfspiel.“


* Ausschnitt aus dem Bilderbuch "Nikolaus und Ruprecht" von E. Waldow, illustriert von Marie-Laure Viriot.


Fröhlich, aber auch leise wegen ‍‍der Tiere, gehen alle weiter. Oben auf ‍‍der Hügelkuppe angekommen können sie auf ihr Dorf hinunterschauen und sogar Annis und Jakobs Haus entdecken. Und dann geht es in sausender Fahrt über die Wiesen abwärts durch den glitzernden Schnee. „Juchhu!“ und „Bahn frei, Kartoffelbrei!“, ist während ‍‍der Schlittenfahrt immer wieder zu hören.

Als sie am Nachmittag wieder zu Hause angekommen sind, entdeckt Anni als erste Listerle am Fenster. Sie erzählt ihm übersprudelnd sofort von ihren Erlebnissen. Listerle hört aufmerksam zu. Dann sagt er liebevoll: „Ich habe euch vom Fenster aus gesehen. Wie eine bunte Perlenschnur seid ihr zum Wald hochgezogen. Bei ‍‍der Schlittenabfahrt hat ‍‍der Schnee hoch aufgestäubt, wie ein Schneeschleier. Es war sooooo eine Freude euch zuzuschauen.“


Geschichte zum 17. Dezember

Listerle der Weihnachtswichtel

„Oh, das sieht aber schön aus, Mama.“ Anni kommt zu ihrer Mutter an den Tisch. „Das freut mich, wenn dir die Weihnachtskarten gefallen! Du darfst mir gerne helfen“, meint die Mutter. Anni setzt sich neben ihre Mutter. Diese nimmt einen der schönen blauen Klappkarten und hält sie gegen das Licht. Da hört man verwundert Jakobs Stimme: „Da sind ja Löcher in der Karte.“ Mutter dreht sich zu Jakob und sagt: „Ja, durch diese fünf Löcher kann man einen wunderbaren Stern sticken. Schaut einmal zu.“

Mit wachen Augen beobachten die beiden, wie ihre Mutter die Sticknadel führt. „Ah, jetzt weiß ich, wie du es machst“, sagt Jakob. „Wenn du in ein Löchlein einstichst, nimmst du nicht sein Nachbarlöchlein, sondern erst das nächste, um wieder heraus zu kommen. Und beim Ausstechen machst du es genauso.“ Die Mutter lächelt Jakob an, nickt, dreht die Karte um und sagt: „Und es ist wie ein kleines Wunder. Auf der Rückseite ist derselbe schöne Stern.“ Anni springt von ihrem Stuhl auf und deutet mit dem Finger auf den Stern. Erfreut ruft sie aus: „Das ist ja ein Sternenkind. Oben der Kopf, in der Mitte die Arme ausgestreckt und unten steht es fest auf den Beinen.“ Mit diesen Worten stellt sie sich gerade selbst so hin wie ihr Sternenkind auf der Weihnachtskarte.

Jakob fädelt sich einen Goldfaden ein und beginnt zu sticken. Auch Anni hat sich für einen goldenen Stern entschieden. Da bemerkt Jakob Listerle neben sich, der ihm bewundernd zuschaut. Ganz fasziniert holt sich Listerle ebenfalls eine blaue Karte und Nadel und Faden und beginnt mit der Arbeit. Als jeder mit seiner Weihnachtskarte fertig ist, stellen Anni, Jakob und Listerle ihre Werke auf den Tisch und betrachten sie gemeinsam. Es scheint, als ob Listerles Stern einen geheimen Glanz ausstrahlen würde. Er spricht: „Da werden sich die Empfänger der Weihnachtskarten freuen, wenn sie zu diesem Jahr einen soooo himmlischen Sternengruß von euch zu Weihnachten bekommen!“


* Ausschnitt aus der Titelillustration von Andreas Hanke

Geschichte zum 18. Dezember

Listerle ‍‍der Weihnachtswichtel

Die Küche ist in eine Kerzenwerkstatt umgewandelt. Da liegen ordentlich beieinander viele schneeweiße Kerzen. Gleich daneben sind Anni und Jakob am Schaffen. Von ihren abgemalten Wachsfarbenstummelchen schneiden sie mit einem kleinen Küchenmesser möglichst dünne ‍‍Stückchen ab. „Jetzt haben wir schon einen roten, einen gelben, einen blauen, einen grünen und einen violetten Farbberg“, sagt Anni stolz zu ihrer Mutter. „Ja, ein schönes Farbgebirge habt ihr beiden da“, meint diese, „nun könnt ihr wohl schon mit dem Färben beginnen“.

Jakob nimmt einige rote Wachsstückchen und streut sie vorsichtig in eine mit heißem Wasser fast voll gefüllte Milchflasche. Mit einem dünnen Holzstäbchen verrührt er die Farbstückchen im Wasser. Gespannt schaut Anni ihm zu. Dann hält er eine ‍‍der weißen Kerzen nur am Docht oben fest, taucht sie kurz ins heiße Wasser ein und zieht sie gleich wieder heraus.

„Oooh, oooh“, ruft Anni voller Begeisterung aus und kann den Blick nicht von ‍‍der Kerze lösen. „Eine rote Flammenkerze hast du gemacht, so eine möchte ich auch haben“. Anni richtet sich in einer zweiten Flasche ein gelbes Tauchbad und während sie ihre Kerze eintaucht, ruft sie beschwörend aus: „Eins, zwei, drei, Zauberei“. „Du hast eine Sonnenstrahlenkerze“, stellt Jakob fest. Die beiden Kinder legen ihre Kerzen auf ein großes Tuch auf den Küchentisch. Zu ihrer gelben Farbe gibt Anni einige grüne Wachsstückchen ins Wasser und rührt abermals um. Neugierig wartet Jakob, wie wohl die nun eingetauchte Kerze aussehen wird.

Als Anni die Kerze aus dem Farbbad herauszieht, hören die beiden Listerles Stimme neben sich, ‍‍der sich zu ihnen gesellt hat. „Eine Blumenwiesen-Kerze hast du gezaubert, Anni. Ich sehe darauf sooo viele leuchtend gelbe Löwenzahnblüten im frischen grünen Gras erblühen. Das ist ein kleiner Frühlingsgruß für uns in ‍‍der kalten Winterzeit“. Annis Augen leuchten hell auf.

Und nun beginnt ein eifriges Schaffen zu dritt, das erst ein Ende findet, als es keine weißen Kerzen zum Eintauchen mehr gibt. Auf dem Küchentisch aber liegen die wundervollsten, farbenprächtigsten Kerzen, die man sich nur vorstellen kann.

* Illustrationen von Andreas Hanke

Geschichte zum 19. Dezember

Listerle der Weihnachtswichtel

„Heute dürft ihr nicht zu uns ins Zimmer kommen, bis wir euch rufen“, sagt Jakob nach dem Mittagessen zu seinen Eltern. Und schon sind er und Anni in ihrem Zimmer verschwunden und schließen die Tür hinter sich zu. Heute ist ihr Geheimnistag, sie wollen die Weihnachtsgeschenke für ihre Eltern basteln.

 „Du Jakob, ich weiß schon, was ich Mama und Papa zu Weihnachten schenke. Ein großes Bild male ich und darauf bin ich und Listerle und du“. Voller Vorfreude holt sich Anni die schönen Farben und das Malpapier aus dem Regal und setzt sich geschäftig an den Maltisch. Jakob schaut noch sinnend aus dem Fenster, dann sagt er halblaut, wie zu sich selbst: „Mama und Papa lesen doch so viel, ich glaube sogar fast jeden Tag. Ich werde jedem ein Lesezeichen machen“. Entschlossen holt er seine Schere und schneidet aus dem festen Papier zwei schmale, lange Streifen ab. Damit setzt er sich zu Anni an den Tisch und beginnt ebenfalls zu malen.

Mit roten Bäckchen und ganz vertieft in ihr Tun sitzt Anni über ihr Bild gebeugt da. Erst als Jakob sie um den gelben Farbstift bittet schaut sie auf. Und da nehmen beide Geschwister gleichzeitig Listerle direkt neben sich wahr. Liebevoll schaut er die beiden Kinder an und reicht Jakob mit geheimnisvollem Blick die gewünschte Farbe. Ganz still hat er sich zu den Kindern gesellt um sie mit keinem Wort beim Malen zu stören. Anni und Jakob fühlen sich auf einmal wie von einer wundervoll warmen Liebes-Wolke umhüllt. Frohen Herzens arbeiten sie weiter. Jakob schlingt durch ein kleines Loch in den Lesezeichen noch zwei selbst geflochtene Bändchen, die er schon so schön gleichmäßig machen kann.

Als sie fertig sind, betrachten alle drei gemeinsam noch einmal ihre Werke, Jakobs Bilder - eines von Listerle und das andere von einem sternenübersäten blauen Himmel - und Annis großes Bild. Ein wunderbares Leuchten der Farben bemerken die Kinder, besonders die gelbe Farbe verbreitet einen strahlend hellen Glanz. „Sooo viel strahlende Herzenswärme habt ihr in die Geschenke für eure Eltern fließen lassen“. Listerle nimmt Anni und Jakob liebevoll in seine Arme. „Jetzt müssen wir sie aber noch verpacken“, fällt Anni ein. Während Jakob seine beiden Geschenke einwickelt, rollt Anni ihr Bild vorsichtig ein und Listerle hilft ihr ein rotes Band zu einer schönen großen Schleife zu binden. Bis Weihnachten werden die Päckchen ganz tief im Schrank versteckt ruhen.

Geschichte zum 20. Dezember

Listerle der Weihnachtswichtel

Listerle vernimmt einen feinen Klang im Haus. Aus dem Wohnzimmer erklingt Musik. Als er unbemerkt in den Raum kommt, geht ihm sein Herz auf. Die ganze Familie ist hier zusammen beim Musizieren. Jakob bläst sehr behutsam und konzentriert auf einer Flöte. Dieses Instrument hat Listerle schon einige Male bei Kindern erklingen hören. Lustig tanzen Jakobs Finger darauf auf und ab. Jeder Finger hat ein Löchlein, das zu ihm gehört und auf dem er sich mal länger oder auch nur ganz kurz ausruhen darf. Hell und klar erklingen die Töne von Jakobs Flöte.

„Papa, spiel doch bitte mit mir zusammen 'Alle Jahre wieder'“, bittet Jakob seinen Vater. „Ja, gerne. Das Lied haben wir doch letztes Jahr so gut zusammen spielen können Jakob, weißt du noch?“, sagt Vater freudig. „Du kannst ja wieder deine Griffe bei mir abschauen“. Da die Blockflöte und die große Tenorflöte die gleiche Griffweise haben, kann Jakob die Fingerstellung seines Vaters nachahmen. Das hat er schon oft gemacht. Mit Erstaunen sieht Listerle, wie der Vater eine Flöte zur Hand nimmt, die fast doppelt so lang und bestimmt doppelt so dick ist wie Jakobs kleine. Und dann erklingen  auch schon wieder diese wunderbaren Töne, die Listerle zuvor im Haus wahrnahm. Einen wundersamen, weichen, warmen Klang entlockt der Vater seinem Instrument. Darüber tanzen Jakobs helle, fröhliche Töne. Listerle lauscht mit geschlossenen Augen diesem kleinen Adventskonzert. Wie klingende Sterne ist immer mal wieder Annis Triangel zu hören. Ihre Mutter singt dazu.

„Sooooo wundervoll festlich erklingt diese Musik. Sie sollte bei allen Menschen erklingen“, wünscht sich Listerle ganz tief in seinem Herzen.

Geschichte zum 21. Dezember

Listerle ‍‍der Weihnachtswichtel

Draußen ist es schon dunkel und an den anderen Tagen liegen Anni und Jakob um diese Zeit auch schon im Bett. Aber heute dürfen sie mit ihren Eltern eine Nachtwanderung machen. Alle ziehen sich mollig warm an und ziehen los. Kurz bevor sich die Haustür hinter ihnen schließt, schlüpft Listerle noch geschwind heraus und gesellt sich zu ‍‍der Familie. „Oh, die vielen Sterne!“, ruft Anni überrascht aus und schaut auf zum Himmel. „Ja, heute leuchtet es schön“, meint Vater, „‍‍der Himmel hat dieses Jahr ein besonderes Geschenk für die Wintersonnenwende. Denn sie hat heute ihren Feiertag, heute ist ‍‍der kürzeste Tag und die längste Nacht im Jahr.“

Während die Familie auf den nahen Bergrücken wandert, bleiben sie immer wieder mal stehen, um zu den Sternen aufzublicken. Jakob ist als Erster oben angelangt. Listerle steht dicht neben ihm. Kein Ton ist zu vernehmen, ganz still ist es hier oben. Beide haben den Kopf weit nach hinten gelegt und schauen ganz verzaubert auf zum Nachthimmel. Es glitzert und funkelt über ihnen am ganzen Firmament. Kleine und größere Sterne leuchten hell und klar.

Manchmal kommt es Jakob vor, als ob ein Stern ihm zuzwinkern würde. „Oh, sooooo viele, viele, viele Sterne strahlen heute am Himmelszelt. Ob sie wohl ahnen, dass Weihnachten nicht mehr fern ist?“, fragt Listerle ganz ehrfürchtig mit leiser Stimme.

Inzwischen haben sich die anderen dazugesellt. „In den langen, dunklen Winternächten strahlen die Sterne besonders hell“, beginnt Vater zu erzählen. „Bei Tag ist es die große Sonne, die ihr goldenes Licht den Menschen auf ‍‍der Erde schenkt. In ‍‍der Nacht sind es all die vielen tausend kleinen Sterne, die in großem Reigen gemeinsam ihr Licht aufleuchten lassen. Ein Stern aber funkelt heller am Himmel als all die anderen. Sein Name ist Venus, ‍‍der Morgenstern. Gerade zu Weihnachten singen wir Menschen sogar Lieder ihm zu Ehren.“

Vater beginnt zu singen und Mutter stimmt freudig mit ein: „Wie schön leucht’ uns ‍‍der Morgenstern Voll Gnad und Wahrheit vor dem Herrn, Uns prächtig aufgegangen! ...“

 


* Illustration von Marie-Laure Viriot aus Nikolaus und Ruprecht

Geschichte zum 22. Dezember

Listerle ‍der Weihnachtswichtel

Schon seit zwei Tagen reden Anni und Jakob darüber, dass sie bald zu den schon etwas älteren Nachbarskindern dürfen, um ein Puppenspiel anzuschauen. Listerle soll sie natürlich begleiten. Heute ist es endlich soweit. Den ganzen Tag sind sie schon aufgeregt. Sie dürfen in ihren Rucksäcken einige Versucherle von all den gebackenen Weihnachtsplätzchen von zu Hause mitnehmen. Am Nachmittag ziehen sie los und klingeln bei ihren Nachbarn. Die Tür öffnet sich und strahlend steht da die Mutter ‍der Puppenspielkinder und heißt sie willkommen. Die Puppenspieler sind noch beim Vorbereiten. Als Anni  und Jakob mit Listerle ins Zimmer treten ist alles soweit gerichtet. Die Drei setzen sich in froher Erwartung auf die vorbereiteten ‍Stühle für die Zuschauer. Das Puppenspiel ist auf einem niedrigen Kindertisch aufgebaut. In einem weiten Kreis erhellen mehrere Kerzen mit ihrem warmen Schein die Bühne. Wie von weit her erklingen auf einmal zarte Flötentöne; die Vorstellung beginnt. Listerle, Anni und Jakob lauschen andächtig ‍der Geschichte.


Sie sehen Maria und Josef im Stall, mit dem kleinen Jesuskind in ‍der Krippe. Anni wird es ganz warm ums Herz, als eine große Engelschar über dem Stall erscheint und dem Kindlein ein Himmelslied singt. Dann kommen die Hirten sehr achtsam mit ihren Gaben zum Stall; ‍der eine bringt ein Lämmchen, ‍der andere Milch und ‍der dritte etwas Wolle für das Kindlein. Jakob reckt vorsichtig den Hals, damit er alles ganz genau sehen kann. Mit roten Bäckchen sitzt er da. Tief in seinem Herzen ist er ganz bei den andächtigen Hirten. Als die zarten Flötentöne wieder erklingen stimmen nach und nach alle Kinder in das Lied ein:

„Josef, lieber Josef mein, hilf mir wiegen das Kindelein!Gott, ‍der wird dein Lohner sein im Himmelreich, ‍der Jungfrau Sohn, Maria. Gerne, liebe Maria mein, helf’ ich dir wiegen dein Kindelein. Gott, ‍der wird mein Lohner sein im Himmelreich, ‍der Jungfrau Sohn, Maria!“

Einige Augenblicke, nachdem die letzten Töne verklungen sind, ruft die Mutter ‍der Puppenspieler die Kinder an den Tisch. Die Kerzen am Adventskranz werden angezündet und nach einem gemeinsamen Spruch erlaben sich alle am würzig duftenden Tee und dem großen, herrlich bunten Weihnachtsplätzchenteller. Eine fröhliche Schar rotbäckiger, strahlender Kinder hat sich rund um den Tisch versammelt.

Listerle aber ist unbemerkt von den anderen beim Puppenspiel sitzen geblieben. Sein Herz ist erfüllt von dem seelenvollen Spiel ‍der Kinder. „Sooooo innig und andächtig war dieses Puppenspiel. Weihnachten ist schon sehr nahe“.

Geschichte zum 23. Dezember

Listerle der Weihnachtswichtel

Anni und Jakob holen mit ihrer Mutter Oma und Opa am Bahnhof ab. Weihnachten wollen sie alle zusammen feiern. Nachmittags sind die Kinder mit ihren Großeltern im Ort unterwegs. Oma geht mit Anni an der Hand und Jakob fühlt sich ganz geborgen an Opas großer warmer Hand. „Und jetzt gehen wir noch in eure schöne alte Kirche und schauen uns die wunderbare Krippe an“, sagt Oma.

Die große, schwere Kirchentür ist nur langsam zu öffnen. Ein leichter Duft von Weihrauch kommt ihnen entgegen. Ganz still ist es hier drin und unwillkürlich sind auch die vier Eintretenden still geworden. Anni entdeckt die große Krippe in der Nähe des Altars. Ehrfürchtig bleibt sie mit den anderen davor stehen und betrachtet ganz versunken die Heilige Familie mit Ochs und Eselein im Stall. Ein Engel mit herrlichen Flügeln behütet alles. Im Flüsterton erzählt Opa: „ Es muss ein meisterhafter Bildhauer mit sehr geschickten Händen gewesen sein, der diese Figuren geschnitzt hat. Schaut nur, wie fein und liebevoll die Gesichter gestaltet sind. Ich glaube sie sind schon mehr als 200 Jahre alt.“

Nach einer Weile wenden sich alle zum Gehen und erst als sich die große Kirchentür hinter ihnen schließt, reden sie wieder in normaler Lautstärke miteinander. „Nun könnten wir noch beim Bäcker leckere Brezeln fürs Abendessen mitnehmen“, schlägt Oma vor. „Au ja, fein“, ruft Anni aus und läuft voraus. Sie kommen am Brunnen vorbei, an dem dieses Jahr wieder ein großer erleuchteter Weihnachtsbaum steht. Fröhlich machen sich alle auf den Heimweg. Immer wieder bleiben sie unterwegs stehen und betrachten die Sterne, die die Fenster der Häuser schmücken. Auf einmal ruft Jakob erfreut: „Da vorne sieht man schon den roten Stern bei uns zu Hause leuchten.“ Beim Näher kommen erkennen Anni und Jakob ein bekanntes Gesicht neben dem Stern am Fenster. „Hallo Listerle“, rufen beide und winken ihm freudig zu.

Im Wohnzimmer am warmen Ofen hört Listerle alle Erlebnisse, die Anni und Jakob mit ihren Großeltern hatten. Besonders rätseln die beiden Kinder, was wohl in dem dicken Koffer alles verpackt ist, den Oma und Opa mitgebracht haben. Mit verheißungsvollen Blicken verraten sie Listerle ihre leise Ahnung, dass wohl auch Geschenke für sie darin verpackt sein könnten. Listerle spürt die liebevolle Zuneigung, die Anni und Jakob für ihre Großeltern haben. „Es ist ein Geschenk für die ganze Welt, wenn Menschen sooooo eine große Liebe zueinander haben.“ Listerle, Anni und Jakob sehen sich überglücklich und mit strahlenden Augen an.

Geschichte zum 24. Dezember

Listerle ‍der Weihnachtswichtel

„Oh, die Barbarazweige blühen“, ruft Jakob überrascht aus, als er die ersten zarten, weißen Kirschblüten entdeckt. Anni ist sofort zur Stelle, um das kleine Wunder zu bestaunen. Da fällt ihr Blick auf die verschlossene Wohnzimmertür gleich neben dem Strauß. Alles ist so geheimnisvoll heute an Heiligabend. An ‍der Tür hängt ein großer, goldener Stern. Er ist das Zeichen für die Kinder, dass sich dahinter in dem Weihnachtszimmer allerlei wundervolle Dinge ereignen, die für die Beiden allerdings noch im Verborgenen bleiben. Sie dürfen heute Morgen kleine Geschenke zu den Nachbarn und ‍der lieben Honigfamilie bringen. Alle freuen sich sehr über diese liebevoll verpackten Weihnachtgaben.

Am späten Nachmittag macht die ganze Familie einen Spaziergang zu dem nahen Bergrücken. Anni und Jakob zeigen den Großeltern ihren „Sternegucken-Platz“ und erzählen ihnen überschwänglich von ‍der Nachtwanderung un‍ter dem funkelnden Sternenhimmel. Als sie nach Hause kommen, ist die Weihnachtszimmertür noch immer verschlossen. Vorsichtig lauschen Anni und Jakob daran, es ist jedoch kein Laut zu vernehmen. Die Mutter geht mit ihnen ins Kinderzimmer, wo sie sich ihre Festtagskleider anziehen. Anni ist sehr aufgeregt. Mit rot glühenden Bäckchen und großen Augen entdeckt sie auf einmal Listerle und ruft überrascht, aber nicht zu laut: „Oh Listerle, du hast ein Weihnachtsmäntelchen an.“ Auf Listerles rotem Umhang strahlen anstatt ‍der silbernen nun goldene Sternchen. Liebevoll strahlt er Anni und Jakob an. Er weiß, dass die Kinder hier in ihrem Zimmer so lange warten, bis sie das Glöckchen vom Christkind vernehmen.

Jakob schaut und horcht immer wieder zur Tür. War da ein leises Klingeln zu vernehmen? Nein, wohl doch nicht. Da beginnt Mutter mit sanfter Stimme ein Weihnachtslied zu summen. Die Drei lauschen mit wachen Sinnen.


Und dann hören sie auf einmal das silberhelle Glöckchen! Gemeinsam und mit klopfendem Herzen gehen die Kinder zum Weihnachtszimmer. Die Tür mit dem goldenen Stern ist weit geöffnet. Im hellen Glanz erstrahlt ‍der wunderschön geschmückte große Weihnachtsbaum. Ehrfürchtig staunend treten die Kinder davor. Jakob ist es, als hätte er eben noch ein Zipfelchen von Christkinds silberweißem Kleid erblickt. Im Schein ‍der Kerzen sehen Anni und Jakob die farbenprächtigen Geschenke un‍ter dem Baum verteilt. Große und kleine Päckchen, mit dicken roten Schleifen geschmückt. Welches sie wohl auspacken dürfen? Un‍ter dem Baum, von den untersten Zweigen des Tannenbaums beschützt, steht die geliebte Krippe mit dem Jesuskindlein. In froher Runde singt die ganze Familie wie jedes Jahr zuerst ein Weihnachtslied. Listerle lauscht hingebungsvoll. „Sooooo froh und dankbar bin ich, dass ich diese Adventszeit bei Euch sein durfte. Ich wünsche euch allen lichterfüllte, sternenfunkelnde Weihnachten.“

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