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Authentisch leben

Lara, sechs Jahre, bekommt seit einem Jahr Klavierunterricht. Auf die Frage der Patentante „Spielst du gern Klavier?“ nickt Lara mit dem Kopf. Sie sagt auch Ja, als die Tante fragt, ob ihr der Unterricht Spaß macht. Obwohl sie aus ihrem Innersten heraus lieber geantwortet hätte: „Na, ja. Manchmal geh ich gern hin, ein anderes Mal eben nicht.“ Doch Lara hat die Spielregeln der Erwachsenen bereits durchschaut und sich ihnen angepasst. Die Mutter dankt es ihrem Töchterchen durch ein Lächeln und aufmunterndes Kopfnicken. Lara tut also das, was von ihr erwartet wird. Ihr eigentliches Gefühl unterdrückt sie dabei. Sie spürt es oft genug selber nicht mehr. Damit ist Lara nicht authentisch. Denn ihr Reden sagt etwas ganz anderes aus als ihr Empfinden.


Am Anfang sind Kinder authentisch

Kleine Kinder sagen spontan, was sie denken. Und man sieht ihnen an der Nasenspitze an, was sie fühlen. Sie sind authentisch. Denn Denken, Sprechen und Fühlen stimmen bei ihnen überein. Leider verlieren Mädchen und Jungen diese natürliche Spontanität im Laufe der Jahre. Sie wird durch Erziehungseinflüsse beeinträchtigt. Die Folge: Kinder passen sich mehr und mehr an. Oft wird ihnen sogar beigebracht, Gefühle zu empfinden, die nicht ihre eigenen sind. Sie sollen Leute anlächeln oder kritiklos freundlich zu ihnen sein, auch wenn sie diese nicht leiden mögen. Dies ist einer gesunden seelischen Entwicklung nicht förderlich.


Eltern sollten sich nicht verstellen

Wichtig ist vor allem ein warmherziges Familienklima, in dem es durchaus Reibungspunkte geben darf. Jedes Familienmitglied hat eine eigene Persönlichkeit, die respektiert werden sollte. Das setzt Achtung voreinander, Nähe und gegenseitige Offenheit voraus. Wichtig ist hier auch das Vorbild der Eltern. Sie sollten sich bemühen, unverstellt und glaubwürdig zu wirken, und zwar nicht nur in der Familie, sondern auch im Beruf und im gesellschaftlichen Leben. Kinder haben nämlich feine Antennen. Sie spüren, wenn die Mama sich bei Freunden anders gibt als zu Hause. Oder wenn Papa in einer Diskussion nicht klar Stellung bezieht oder sogar eine andere Meinung vertritt als zu Hause. Kinder sollten erfahren, dass ihre Eltern sich nicht manipulieren lassen – weder durch Medien, noch durch Autoritäten. Dass Mutter und Vater sich ihre eigene Meinung bilden und zu dieser auch in der Öffentlichkeit stehen. Dazu gehört, stets bei sich zu bleiben, wenn es in der Familie zu Konfliktsituationen kommt. Wir sollten Worte sprechen und Gefühle ausdrücken, die zu uns und unseren Empfindungen passen. Nur so wirken wir glaubwürdig. Es schadet Kindern nicht, wenn Eltern dabei auch mal Schwächen zugeben. Zu einer kritischen Selbsteinschätzung gehört, Klarheit über seine eigenen Wertvorstellungen zu gewinnen und damit zu erkennen, was man wirklich will und was nicht. Weder Kindern noch Erwachsenen tut es gut, sich von der Anerkennung durch andere abhängig zu machen.

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