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Wir sehen die Welt nicht wie sie ist

Wir Menschen machen uns als soziale Wesen häufig Gedanken darüber, was andere über uns denken und urteilen mitunter selbst auch vorschnell über das sichtbare Verhalten anderer Menschen, ohne mehr darüber zu wissen. Doch das Leben ist so vielschichtig und wir Menschen so komplexe Wesen, dass es entlastend und wohltuend wirkt, wenn wir uns immer mal wieder bewusst machen, dass wir nicht wissen oder beeinflussen können, was andere über uns denken, weil es ihrer Biographie entspringt und vielmehr mit ihnen zu tun hat, als mit uns. Darüber hinaus ist es im Grunde irrelevant, was andere Menschen über unsere Handlungen denken, da wir für sie in der Regel gute Gründe haben und keine Legitimation dafür benötigen. Gleichzeitig dürfen wir uns auch selbst überprüfen, was wir denn so den Tag über denken und ob wir die Art, wie wir etwas als richtig empfinden, auf andere projizieren.

 

Die Bäckertüte

Die Situation: Mama Luisa gibt ihren zwei Söhnen heute jeweils eine Tüte mit soeben beim Bäcker gekauften Backwaren für die Pause mit.

Sarah denkt: Na, die gibt sich aber keine Mühe, das kann ja wohl jeder.

Thomas denkt: Sie hatte es heute bestimmt eilig.

Elisa denkt: Wo sind nur schon wieder meine Autoschlüssel? Ich hatte sie doch gerade noch.

Fred denkt: Also ich könnte mir das ja nicht leisten, den Kindern jeden Tag was vom Bäcker holen.

 

Tatsächlich: die beiden Jungen bekommen 4 Tage in der Woche Vollkornbrot und Apfelschnitze mit in die Pause. Da sie jedoch so gerne Brezeln essen, dürfen sie als Kompromiss an einem Tag in der Woche frischgebackene Brezeln vom Bäcker mitnehmen und freuen sich darüber sehr.

Belebtes Haus

Die Situation: Carla feiert ihren Kindergeburtstag und lädt fünf Freunde ein. Der Wohnung sieht man an, dass dort 4 Menschen leben: Spielsachen liegen herum und in der Küche steht noch das Geschirr vom Mittagessen. Carlas Mama Ina öffnet strahlend die Tür und lädt die Eltern der Gästekinder spontan ein auf einen Kaffee und ein Stück Kuchen zu bleiben.


Yasin denkt: Mmmmh, wie gut der Kuchen duftet. Und so schöne Blumen auf dem Tisch. Und wie entspannt Ina ist, beeindruckend, ich bin immer so aufgeregt wenn Gäste kommen.

Melissa denkt: Wie sieht es denn hier aus? Unmöglich! Das würde ich mir niemals erlauben. Schon gar nicht wenn Gäste kommen. Vielleicht geht es ihr nicht gut?

Philipp denkt: Endlich mal ein Zuhause in dem ich mich auch wohlfühle. Diese blitzeblanken ungemütlichen Häuser, die alle gleich aussehen, habe ich so satt.

Mara denkt: Das sieht ja krass aus hier. Wie cool, dass sie sich gar nicht dafür erklärt. Da will ich mir echt ne Scheibe von abschneiden.


Tatsächlich: Ina hadert manchmal selbst damit, dass sie es nicht schaffen die Wohnung vollständig ordentlich zu halten. Aber wenn sie abwägen, sind ihnen andere Sachen (Freunde oder Sport) oft wichtiger. Ausreichend sauber ist es immer. Und deswegen wird sie immer auch gastfreundlich sein, egal was die Leute vielleicht denken.

 

 

Der Wutanfall an der Kasse

Die Situation: der vierjährige Finn legt an der Supermarktkasse einen filmreifen Wutanfall hin. Er wollte einen Lutscher haben, doch sein Papa Phil sagt nein. Anstatt Finns Gefühle zu begleiten, tippt Phil in seinem Handy herum.


Selbi denkt: Man, pack dein Handy weg und sei für dein Kind da.

Tina blickt auf ihre zwei streitenden Kinder und denkt: Ich versteh dich so gut. Manchmal kann man einfach nicht mehr. Er wird das aushalten.

Esra denkt: Ob ich nochmal schnell loskann? Ich hab so Lust auf ein Eis.

Max denkt: Kauf ihm doch einfach den Lutscher, diese Angst vor Zucker ist doch völlig übertrieben.

Tatsächlich: Auf Phils Konto sind rund 53 Euro. Wenn er sich nicht verrechnet hat, kostet der Einkauf der auf dem Band liegt 51 Euro. Wenn es geht kauft er Finn nachher noch den Lutscher. Klar versteht Finn das jetzt nicht, aber Phil will lieber auf Nummer sicher gehen und rechnet nochmal nach.

Wenn wir uns öffnen und mit Neugier und aufrichtigem Interesse an den Geschichten und Beweggründen anderer Menschen durch die Welt gehen, wird unsere Welt größer und reicher. Wir können selbst davon lernen oder auch hilfreich sein, wenn es notwendig ist.


Wenn z.B. Phil nicht Angst davor hätte verurteilt zu werden, fiele es ihm vielleicht leichter um Hilfe zu bitten.

Wenn Sarah die Bäckertüte und Melissa die unordentliche Wohnung nicht verurteilen würden, könnten sie es sich vielleicht auch eher erlauben es sich ein bisschen leichter zu machen.


Um es sich zur bereichernden Gewohnheit zu machen regelmäßig andere Perspektiven einzunehmen, ist eine sinnvolle Übung in alltäglichen zwischenmenschlichen Situationen zu überlegen, was verschiedene Sichtweisen und Hintergründe sein könnten. Dazu ist notwendig, sich seiner eigenen Gedanken bewusst zu werden und zu wissen, dass wir nicht alles glauben müssen, was wir so denken.

 

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Hanna Articus
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