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Werte ABC - wertvoller Familienalltag

In dieser Beitragsreihe werde ich entlang des Alphabets Werte benennen und beleuchten, wie sie konkret in den familiären Alltag hineinbuchstabiert werden können. Werte sind wie Leitsterne, nach denen wir unser Handeln ausrichten können. Wichtig ist, dass sie nicht nur Worthülsen bleiben, sondern aktiv randvoll mit Leben gefüllt werden. Wir dürfen uns so viele Werte aussuchen wie wir wollen und mal sind uns die einen nah und wichtig, mal die anderen.

 

Begeisterung

Kinder erfahren von ihren Eltern wie man ein Leben gestalten kann. Es sind zwei von 8 Milliarden verschiedenen Möglichkeiten zu leben und doch prägt sie die Art, die sie bei ihren Eltern beobachten maßgeblich. Es ist ein Geschenk für Kinder, wenn sie ihre Eltern dabei beobachten können, wie sie etwas mit Begeisterung tun. Es ist völlig irrelevant was das ist: basteln, aufräumen, Briefmarken sammeln, schwimmen, ausruhen, lesen, gärtnern, eine Sprache lernen, musizieren, backen, dekorieren, Freunde einladen, tanzen, schreiben…es geht darum es mit Herzblut und ganzer Seele zu tun. Begeisterung ist natürlich in erster Linie ein Gefühl. Doch im Alltag vieler Familien ist vor lauter Aufgaben und Terminen wenig Raum dafür, häufig werden viele Dinge einfach nur abgearbeitet, scheinbar Überflüssiges wird aus dem Kalender gestrichen weil gefühlt keine Zeit dafür ist. Deswegen benenne ich Begeisterung als einen Wert, der aktiv mit Leben gefüllt werden darf. Denn wenn Begeisterung ein Leitstern in einer Familie ist, wird Raum für das geschaffen was begeistert und alle nehmen sich Zeit dafür.

Begeisterung kann ganz unterschiedlich aussehen, wir müssen nicht unbedingt jubelnd gärtnern. Wir sind vielleicht konzentriert, es tut uns gut, wir sind entspannt, die Zeit verfliegt dabei, wir sehen einen Sinn darin. Und natürlich begeistert jeden etwas anderes, Eltern dürfen nicht erwarten, dass die Kinder von denselben Aktivitäten begeistert sind wie sie. Eltern begeistern sich vielleicht fürs Wandern, die Kinder fürs Radeln. Beide können sich gegenseitig dazu einladen, die Begeisterung des anderen zu teilen. Sind die Eltern mit ihren Aktivitäten glücklich, erlauben sie ihren Kindern dadurch sich für ihre eigenen zu begeistern.

Gerade beim Lesen hast du keine direkte Idee was dich begeistert? Was hast du als Kind gerne gemacht? Was fandest du schon immer spannend, hast es dich aber vielleicht nie getraut? Schau über den Tellerrand, lass dich inspirieren, probiere querfeldein Vielfalt aus, ich bin mir sicher, du findest etwas, das dich begeistert!

Benehmen

Manierliches Verhalten war lange Zeit ein übergeordnetes wichtiges Ziel pädagogischer Bemühungen. Kinder wurden regelrecht darauf getrimmt sich anständig zu benehmen. Gute Eltern wurden nicht selten daran bemessen, wie gut sich ihre Kinder benahmen. Häufig verstanden die Kinder verschiedene Gebräuche und Regelwerke gar nicht und folgten den erwachsenen Anweisungen, entweder weil sie spürten wie wichtig es ihnen war oder weil sie Angst davor hatten was folgen würde, wenn sie sich nicht daran hielten.

Es ist immer noch häufig zu beobachten, dass Kinder wie ferngesteuerte Roboter nachplappern wenn jemand sagt „Wie sagt man da?“ oder sich nach einem Konflikt entschuldigen gehen, wenn sie dazu aufgefordert werden. Doch diese Handlungen kommen nicht aus ihnen heraus, es sind leere Worthülsen. Echtes Mitgefühl und echte Dankbarkeit entwickeln Kinder im Zusammenhang mit ihrer Empathiefähigkeit. Erst zwischen dem 5. und 7. Lebensjahr sind sie aufgrund ihrer Gehirnreife überhaupt in der Lage sich in einen anderen Menschen hineinzuversetzen und entsprechend zu handeln. Darüber hinaus kommt es darauf an, was sie tagtäglich erleben, denn heute wissen wir, dass Kinder vor allem am Modell lernen. Das bedeutet, dass Kinder Erwachsene beobachten und wenn Eltern sich im Kontakt mit ihren Kindern benehmen, schauen Kinder das ganz natürlich und mit Leichtigkeit von ihnen ab und ahmen es nach. Ja, okay, vielleicht nicht immer genau dann, wenn andere Menschen das erwarten (Fremde, Kassiererin etc.). Doch wenn Kinder in einer Umgebung großwerden, in der sie echte Dankbarkeit, Höflichkeit und respektvolles Verhalten den Mitmenschen gegenüber vorgelebt bekommen, werden sie sich spätestens ab der späten Jugend vorbildlich zu benehmen wissen. Diese Kinder haben keine Angst vor Erwachsenen, denn das Benehmen der Erwachsenen ist echt. Diese Erwachsenen respektieren und wertschätzen Kinder und wissen, dass sie die Regeln des Miteinanders ganz natürlich verinnerlichen und leben werden.

Gute Eltern erkennt man also nicht am Verhalten der Kinder, sondern am Verhalten der Eltern.

 


Beständigkeit

Das menschliche Leben ist nicht linear und Kinder lernen mit Unterstützung ihrer Eltern mit den Höhen und Tiefen des Lebens umzugehen. Damit sie dafür freie Kapazitäten haben, ist es hilfreich, wenn in einer Familie grundsätzlich verlässliche und verbindliche Strukturen etabliert sind. Diese Beständigkeit bringt Ruhe in die Familie und auch in das Nervensystem des Kindes, weil es sich nicht ständig auf wechselnde Umstände einstellen muss. Durch beständige Strukturen, Rituale und Gewohnheiten verinnerlicht das Kind Vertrautes und kann sich darauf einstellen, was als nächstes kommt. Es geht natürlich nicht darum starre Programme zu absolvieren, sondern dass im Großen und Ganzen vertraute Abläufe im Alltag überwiegen. Wenn dann etwas Unvorgesehenes geschieht (was im familiären Alltag ja recht häufig geschieht), kann dies mit Hilfe der Eltern einsortiert werden. Im nächsten Schritt können dann alle gemeinsam überlegen, welche Wege es gibt damit umzugehen.

Auch für Eltern ist es ein Gewinn, wenn es verlässliche und beständige Strukturen gibt, die zur Familie passen. Diese tragen in herausfordernden Phasen und Situationen und wirken so entlastend.

 

Hanna Articus

Räume für Menschen

 
Das Online-Portal für Eltern

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