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Was Babys uns erzählen

Wenn ein Baby geboren wird, ist es bereits eine kleine Persönlichkeit mit individuellen Eigenschaften, Temperament und Fähigkeiten. Gleichzeitig ist es aufgrund seiner (körperlichen) Unreife existenziell von seinen Bezugspersonen abhängig. Besonders spielt die elterliche Fürsorge in den ersten Lebensjahren eine zentrale Rolle, das bedeutet, dass wir Eltern verlässlich und emotional verfügbar handeln, dass wir die unterschiedlichen und rasch wechselnden Bedürfnisse unseres Babys erkennen und diese zeitnah ausgleichen und beruhigen können. Eine zentrale Entwicklungsaufgabe unserer Kinder ist es, Erregungszustände regulieren zu können. Dies gilt als wesentliche Voraussetzung, um sich der Welt offen zuwenden zu können. Babys haben von Geburt an selbstberuhigende Kompetenzen, benötigen aber ganz entscheidend die Beziehung und Interaktion zu uns Eltern, um die Regulationskompetenz weiter zu entwickeln und auszubauen.

Doch was genau beinhaltet die Aufgabe an uns Eltern als „externe Regulationshilfe“?

Die Aufgabe besteht darin, etwas von dem Zustand unseres Kindes energetisch in uns aufzunehmen, indem wir mit Hilfe unseres Einfühlungsvermögens spüren, was gerade in unserem Kind passiert und selber ruhig und ausbalanciert zu bleiben. Es bedeutet weiterhin, dass wir Eltern unserem Kind helfen, seine innere Aufruhr auszuhalten, dass wir seinen aktuellen Affekt in gewisser Weise nachahmen und in leicht verändernder Form an es zurück geben, indem wir dem Affekt eine beruhigende Note beimischen und wir vermitteln „Ich bin da für dich.“ „Ich merke, dass es dir gerade nicht gut geht, das wird sich wieder verändern.“ „Gerade fühlt es sich schlimm an“, „du schaffst das und ich helfe dir.“ Das Kind bekommt die Zuversicht, dass es den unangenehmen Zustand bewältigen kann. So mildern wir die großen, unangenehmen Einflüsse unseres Kindes, und es kann sich von seiner inneren Überforderung erholen und sich neuen Situationen zuwenden. Erlebt ein Baby oder Kleinkind ausreichend oft immer wieder gelingende Beruhigung seiner beunruhigten Zustände, entwickeln sich Affektregulation und Frustrationstoleranz.

Da unser Kind maßgeblich von der Interaktion mit uns abhängig ist, ist es von zentraler Bedeutung, dass wir Eltern präsent sind und innere Kapazität für die Gefühle und Affekte unserer Kinder haben. Falls nicht, besteht die Gefahr, dass wir von der Verzweiflung unseres Kindes überflutet werden, dass wir ungeduldig, impulsiv, verurteilend und vorwurfsvoll werden, uns abwenden, zurückziehen, verzweifeln, strafend reagieren und kein hilfreiches Gegenüber für unser Kind mehr sein können.

Von Geburt an kommuniziert unser Baby mit uns. Es ist in der Lage, körperliche und psychische Befindlichkeiten auszudrücken und damit dem Umfeld nonverbal, durch Mimik und Gestik mitzuteilen, wie es aktuell mit einer Situation zurechtkommt. Es signalisiert, ob es zu einem interaktiven Austausch in der Lage ist oder nicht und ob es gerade Unterstützung in der Regulation benötigt.

Wenn es offen für Interaktion ist, können wir Eltern das zum Beispiel an folgenden Zeichen ablesen: rosige Haut, gleichmäßige, ruhige Atmung, entspannte Körperhaltung, weiche Bewegungsabläufe, wach, Blickkontakt, lächeln, leicht geöffneter Mund, lautieren….Wenn wir all das bei unserem Baby wahrnehmen, dann können wir erzählen, zeigen, nachahmen, gestikulieren. Unser Baby wird alles in sich aufsaugen, lernen, aufmerksam und in einem nahen Kontakt mit uns sein.

Wird es unserem Baby zu viel, bzw. reicht die Stimulation aus, sendet es uns feine Zeichen, um uns seinen Erregungszustand mitzuteilen. Auf eine ausreichend stimulierte und eher belastende Situation können folgende Feinzeichen hindeuten: marmorierte Hautfarbe, gepresste Atmung, gähnen, Schluckauf, Finger spreizen, Fäustchen machen, mit den Armen rudern, sich überstrecken, blinzeln, wimmern, quengeln, weinen, wegschauen, Augenbrauen zusammenziehen, Lippen zusammenkneifen, Kopf wegdrehen, sich abwenden….Dann sollten wir Eltern innehalten, Pause machen, unserem Baby Zeit geben und eher in eine ruhigere Kommunikation wechseln.

Mit Hilfe selbstberuhigender Verhaltensweisen kann ein Baby trotz kleiner Störungen mit uns und seiner Umwelt weiter interagieren. Je nach Ausmaß der Verunsicherung und Irritation greift es von sich aus auf balancierende Strategien zurück. Bei kleinen Verunsicherungen reichen häufig selbstbezogene Strategien aus. Das sind zum Beispiel: Sich an der eigenen Kleidung festhalten, Füße zusammenlegen, Hand an den Kopf oder in Mund nehmen, an der Hand/Daumen nuckeln…Nimmt die Belastung zu, versucht das Baby entweder mit Hilfe eines Gegenstandes (Schmusetuch, Spielzeug, Schnuller) sich zu stabilisieren oder zeigt durch Hinwendung zu einer Person Unterstützungsbedarf. Dann dürfen wir feinfühlig und sensibel auf diese Signale reagieren, unserem Baby Ruhe gönnen oder es in den Arm nehmen und kuscheln.

Wie wir sehen, übernimmt unser Baby einen ganz aktiven Part und zeigt von Anfang an erstaunliche Fähigkeiten.

 

Dieser Text ist eine Einladung, dein Baby und dich kennen zu lernen, neugierig zu sein und aufeinander abgestimmt zu kommunizieren und zu interagieren. Ist es nicht beeindruckend, wie fein unser Baby mit uns spricht und von sich erzählt? Wir Eltern können nicht und müssen auch nicht immer feinfühlig sein, aber wir können es üben und immer wieder gezielt in unseren Alltag einfließen lassen. „Good enough, also „ausreichend gutes“ elterliches Verhalten reicht aus und genügt. Und in den allermeisten Fällen haben wir ganz intuitiv die richtigen Antworten auf das, was unser Baby gerade von uns braucht.

 

Corinna Muderer
Räume für Menschen

 
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