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Tschüss Perfektion! Mach's gut.


Als Patissier filigrane Pralinen gestalten oder als Uhrmacher winzige Zahnräder aufeinander abstimmen…ja es gibt Situationen und Aufgaben, da ist Perfektion etwas Wunderbares und absolut berechtigt.

Es gibt jedoch so viel mehr Lebensbereiche, in denen Perfektion einem das Leben schwer macht und eigentlich auch total unnötig ist. Wir sind nicht alle in allem Überflieger. Manches geht uns ganz leicht von der Hand, manches braucht ein bisschen mehr Mühe, und manche Dinge werden auch mit viel Anstrengung nix. Und das ist okay. Gut ist gut genug. Okay ist gut genug. Mittelmaß und Durchschnitt sind gut genug.

Damit meine ich nicht, dass wir Anstrengung vermeiden sollten. Jeder sollte nach seinen Möglichkeiten sein Bestes geben. Das reicht wirklich aus.

Wenn wir nur mit Superlativen und Perfektion einverstanden sind, verbrauchen wir zum einen unnötig viel Energie, sind vermutlich nicht besonders oft zufrieden und verpassen viele schöne Momente auf dem Weg zum Ziel, weil wir eben nur mit dem Ziel und nicht mit dem Weg beschäftigt sind.

Vor allem im Zusammenleben mit Kindern sollte Perfektion keine große Rolle spielen. Im Kontakt mit Kindern geht es vorrangig darum auszuprobieren, zu tun, Fehler zu machen und mit Leichtigkeit im Herzen aus ihnen zu lernen. Wer die konkrete Idee vom Ergebnis loslassen kann und einfach mal beobachtet was passiert, lässt Raum für Kreativität und Vielfalt. Perfektionsstreben hingegen schränkt ein und macht eng.

Und wir dürfen vertrauen: Kinder wollen es gut machen, sie wollen sich Mühe geben und sie geben ihr Bestes, so wie wir Erwachsenen auch. Wenn wir häufig mit ihren Ergebnissen nicht einverstanden sind und sie ständig überkritisch korrigieren, kann sich das in ihrem Selbstwert und Selbstvertrauen niederschlagen. Sie gewinnen dann nach und nach den Eindruck, nichts richtig zu können oder nicht gut genug zu sein.

Wenn es tatsächlich notwendig ist sie zu korrigieren, kommt es darauf an, WIE wir das tun. Wichtig ist, Person und Verhalten zu trennen und auf jede Form der persönlichen Abwertung zu verzichten.

Ein Beispiel:

Flo und seine Kinder sind gemeinsam auf dem Erdbeerfeld. Flo erklärt vorab genau, worauf die Kinder achten sollen: „Schaut mal her, ich zeige euch wie die reifen Erdbeeren aussehen, die wir pflücken wollen. Sie sind ganz kräftig rot, haben keine weißen oder matschigen Stellen und sie gehen ganz leicht ab. Schaut euch die Frucht immer zuerst an, bevor ihr sie pflückt.“ Als die Kinder ein paar Erdbeeren gepflückt haben, erkennt Flo, dass sie noch etwas anderes beachten müssen: „Oh ich sehe, da hat ja ein Insekt daran geknabbert. Wir müssen also auch darauf achten, dass die Erdbeeren noch ganz sind.“

Zuhause wollen sie eine Erdbeertorte zubereiten. Marion zeigt ihren Kindern genau wie die Erdbeeren geschnitten werden sollen. Der 5jährige gibt sich große Mühe und schneidet ganz achtsam mit dem scharfen Messer. Marion sieht, dass die Stücke allerdings sehr ungleichmäßig sind und zeigt ihrem Sohn ein Beispielstück. Jetzt kann er sich daran orientieren und die Stücke werden gleichmäßiger. Er ist sichtlich stolz, dass seine Stücke jetzt so sind wie sie sein sollen.

Sie schichten die Tortenböden, die Erdbeeren und die Creme. Marion weiß, dass die Torte viel ebenmäßiger bestrichen wäre, wenn sie es selbst machen würde. Da das jedoch ein rein optischer Aspekt ist, greift sie nicht ein und lässt ihr Kind die Creme vollständig selbst verteilen. Und auch bei der Dekoration der Torte lässt sie den Kindern Freiraum und hält sich zurück. Das Ergebnis ist eine sehr leckere & sehr unperfekte Torte, die die Kinder am Nachmittag mit strahlenden Augen den Großeltern präsentieren. Für Marion war die Erfahrung der Kinder wertvoller, als eine perfekte Kaffeetafel.

Es ist ein Balanceakt für Eltern und erfordert Feingefühl, wann und wie Kinder angeleitet werden und wann es dran ist, sie sich frei fühlen und nach ihrem Gusto und Vermögen gestalten und machen zu lassen. Gelingt dieser Balanceakt überwiegend, fühlen sich Kinder wirksam, entwickeln vielfältige Fähigkeiten und ein grundlegendes Vertrauen in sich. Dürfen sie mit Leichtigkeit Fehler machen und unperfekt sein, lernen sie daraus und gestehen dasselbe auch anderen Menschen zu. Dann dürfen Eltern z.B. auch unperfekt Eltern sein, wie erleichternd, oder?

 

Machen Sie´s GUT. Das reicht.

 

Hanna Articus
Räume für Menschen

 
Das Online-Portal für Eltern

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