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Struktur ist was Feines

Struktur, Regeln, Routinen – in vielen elterlichen Ohren klingt das nach Langeweile und Gleichförmigkeit. Struktur kann jedoch wunderbar hilfreich sein, wenn Eltern sie nicht aus Prinzip um ihrer selbst willen ein- und durchsetzen, sondern sie als entlastendes Fundament betrachten. Wichtig ist, dass die Strukturen, Regeln und Routinen individuell zur Familie passen, bewusst gesetzt, flexibel und veränderbar sind. Es geht nicht um starre Konstrukte, sondern vielmehr um ein bewegliches Gerüst, das hilft Energien zu sparen und so Freiräume für Gemeinsames und Schönes zu schaffen.

Denn auch wenn natürlich jeder Moment neu ist, so ähneln sich doch manche Themen, Fragen und Probleme. Und es kostet oft mehr Kraft (in einer Gemeinschaft ohne solch ein Gerüst) immer wieder dieselben Fragen zu klären und auszuhandeln.

Routinen tragen durch anstrengende Tage und Phasen hindurch. Die Dinge sind einfach klar. Und wenn Eltern einen schlechten Tag haben, können sie sich anlehnen an die gewachsene Struktur und müssen nicht alles alleine tragen oder situativ entscheiden. Äußere Struktur tut in Momenten, in denen vorübergehend innere Struktur fehlt, einfach gut: Krankheit, viel Arbeit, Müdigkeit, emotionale Phasen der Kinder, emotionale Phasen der Eltern – Leben eben.

Ein paar alltägliche Beispiele, wie solche Regeln & Routinen aussehen können:

 


Essen:

In Lottes Familie gilt: „Gegessen wir nur in der Küche am Esstisch und im Garten. Ausnahme: der Teller mit Apfelschnitzen auf dem Sofa, weil der nicht krümelt.“ Manchmal nervt diese Regel. Aber noch mehr nervt es Lotte, im ganzen Haus Teller und Schüsseln einsammeln zu müssen.

Marion hat eine andere Lösung für sich gefunden: in ihrer Familie darf immer und überall gefuttert werden. Sie selbst liebt es mit Tee, Keksen und einem Buch stundenlang in der Wanne zu liegen, und die Teenagertochter isst gerne einmal ein Brot am Schreibtisch während sie lernt. Die Regel diesbezüglich ist, dass alles Geschirr direkt zurück in die Küche geräumt und eventuelle Krümel umgehend beseitigt werden.

 


Abläufe & Routinen:

 

In Toms Familie hat sich bewährt, morgens immer denselben Ablauf zu bewahren (auch am Wochenende): Kinder wachkuscheln, aufstehen, frühstücken, Zähne putzen, umziehen, losgehen. Sie haben verschiedene Varianten ausprobiert und diesen für sich für am besten befunden. Schon die kleinste Tochter der Familie weiß genau, wann was dran ist und macht ganz selbstverständlich mit.

In Andreas Familie ist es die Abendroutine, von der nur in einzelnen Ausnahmen abgewichen wird und die dazu führt, dass die Kinder wie von selbst zur Ruhe kommen und gut einschlafen können: Abendessen, Baden/duschen/waschen, Zähne putzen, aufs Klo, Buch aussuchen, vorlesen, im Beisein der Eltern einschlafen. Auf diese Weise haben Andreas und Julia zuverlässig den Abend für sich.

 


Aufräumen:

 

Martins Kinder räumen jeden Abend vor dem Abendessen ihre Spielsachen auf. Die Kinder nervt oft, dass nicht einfach mal etwas liegen bleiben darf, freuen sich jedoch jeden Tag über die freie Spielfläche.

Claudias Kinder räumen immer erst das eine Spiel auf, bevor sie das nächste beginnen. Hier liegt fast nie etwas herum, manchmal werden allerdings Kreativität und Spontanität durch das Aufräumen gebremst.

Bei Susanne und Klaus ist immer sonntags großer Aufräumtag für die ganze Familie, um ordentlich in die neue Woche zu starten. Hier sieht es oft sehr belebt aus, doch bleibt auf diese Weise viel freie Zeit.

Wie die Beispiele zeigen, geht es nicht um den einen richtigen Weg, sondern um jeweils stimmige individuelle Wege und Klarheit bezüglich des Rahmens. Innerhalb dieser Routinen beginnen Kinder nach und nach selbst die Handlungen zu übernehmen, weil sie sich auskennen. Sie müssen keine Energie darauf verwenden herauszufinden, was als nächstes kommt. Der Rahmen ist verlässlich, sie fühlen sich sicher und geborgen. Die Eltern sind verantwortlich für die Entscheidungen und das Vorleben der Routinen. Wenn die Strukturen erst einmal etabliert sind, entlasten sie die ganze Familie.

Welche Routinen haben sich in eurer Familie bewährt? Was könnt ihr von anderen Familien lernen? Aus welchen Regeln seid ihr als Familie schon rausgewachsen? Wo braucht es vielleicht neue Strukturen, weil die Themen immer wieder auf den Tisch kommen und die familiäre Atmosphäre belasten? Wenn es vermehrt zu Konflikten und Reibung rund um die Regeln und Strukturen kommt, ist es vielleicht an der Zeit sie zu überprüfen. Haben wir die Regeln nur noch der Regel wegen? Haben wir zu viele Regeln? Passen sie noch zu uns? Passen sie zum A‍lter der Kinder? Ist es aktuell ein Entwicklungsschritt, den die Kinder vollziehen und sie müssen Dinge hinterfragen? Es darf leicht und schön sein, sich mit diesen Fragen zu beschäftigen. Denn sie sind FÜR eure Familie und nicht gegen sie.

 

Hanna Articus

Räume für Menschen

 
Das Online-Portal für Eltern

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