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"Selber machen"

"Selber machen" – am Beispiel Rhabarbersirup

 

Ab einer bestimmten Entwicklungsstufe wollen Kinder alles selbst machen – das ist für die Entwicklung der Kinder von großer Bedeutung und für Eltern schön und anstrengend zugleich. Denn es dauert oft ein bisschen länger und die Kinder fühlen besonders anfangs viel Frust, der mitunter lautstark ausgedrückt wird und begleitet werden will, wenn es noch nicht so ganz klappt. Für unsere Kinder ist in diesen Momenten wichtig, dass wir Eltern eventuelle überhöhte Ansprüche und  Perfektionsstreben loslassen und den Prozess des Lernens sehen und würdigen, anstatt das Ergebnis in den Mittelpunkt zu stellen. Wir können zum Beispiel sagen: „Ich sehe, dass du dir ganz viel Mühe gibst“ oder „Du kannst stolz auf dich sein, dass du solange übst, bis du es schaffst“. So erfahren Kinder auch, dass sie ihren eigenen Maßstäben vertrauen dürfen, anstatt nach der Bestätigung von außen zu suchen.

 

 

Damit die Erkundungsfreude der Kinder erhalten bleibt, müssen sie spüren, dass ihre Eltern ihnen etwas zutrauen und sich mit ihnen freuen. Das erfordert, dass die Eltern mögliche eigene Ängste reflektieren. Natürlich sollen Kinder unbedingt vor Verletzungen und vermeidbaren Risiken geschützt werden. Auch die Lieblingsvase muss nicht dem Erkundungstrieb zum Opfer fallen und sollte lieber außer Reichweite gebracht werden. Doch wir können und sollten Kinder nicht vor Erfahrungen bewahren, auch wenn diese manchmal schmerzhaft sind. Wichtig: die Verantwortung gehört immer zu den Eltern – auch oder sogar besonders wenn etwas schief geht. Wenn etwas kaputt geht oder ein Kind sich verletzt, braucht es dringend Begleitung und Trost. Sätze wie „Ich hab es dir ja gesagt“ oder „daran bist du selbst schuld“ sind unbedingt zu vermeiden!

Kinder profitieren von einer sogenannten Ja-Umgebung, die Kinder ermutigt und einlädt, sich selbst, die Dinge um sie herum und die Welt zu erleben und auszuprobieren. Denn sie können nur Erfahrungen machen und neues lernen, wenn sie auch echte Erfahrungen machen dürfen. Ein Kind lernt beispielsweise nur, mit wie wenig Druck es eine Himbeere greifen darf, damit sie heile bleibt,  wenn es eine Himbeere greift. Unter Umständen werden die ersten Himbeeren zerquetscht (schmeckt ja trotzdem noch). Ein Kind lernt auf diese Weise, dass es unterschiedliche Konsistenzen (Steine, Watte, Himbeere) gibt und dass es selbst auch unterschiedlich damit umgehen muss.

Konfuzius sagt „Sage es mir, und ich werde es vergessen. Zeige es mir, und ich werde es vielleicht behalten. Lass es mich tun, und ich werde es können.“ Dieses Zitat ist auch eine Einladung zur Reflexion für Eltern. Neben ihren eigenen Erfahrungen lernen Kinder auch durch und von uns Eltern. Dabei wirkt viel mehr das, was wir ihnen vorleben als das, was wir ihnen sagen. Sie sehen, was wir tun und verinnerlichen das. Nimm dir einen Moment Zeit und denke darüber nach: Wann hast du das erste Mal etwas Neues gelernt und Frust dabei erlebt? Wie verarbeitest du deinen Frust und bleibst dran? Bei was übst du mit Leichtigkeit und gibst dir viel Mühe? Wie erlebst und zeigst du, dass du stolz auf dich bist? Was könntest du als nächstes neu lernen?

Besonders schön ist es für Kinder, auch mit ihren Eltern gemeinsam etwas zu machen. Ihr könnt sie auch einfach in euren Alltag einladen und tun, was eben gerade zu tun ist (Reifen wechseln, Garten gießen, Fenster putzen, Mittagessen kochen, Kruschtecken aufräumen, Umtopfen….). Mit euch gemeinsam können sie dann wie nebenbei Neues lernen.

 

Ich zeige am Beispiel „Gemeinsam Rhabarbersirup zubereiten“ auf, was ein Kind alles lernen, erfahren und selbst machen kann.

Ihr braucht:

•      2 kg Rhabarber

•      1,5 l Wasser

•      450 g Zucker

•      1 Bio-Zitrone

•      außerdem: großer Topf, Kochlöffel, feines Sieb, saubere Flaschen, Trichter zum Abfüllen

 

1. Rhabarber ist ein regionales und saisonales Naturprodukt, er ist von Mai bis zum 24.Juni (Johannestag) genießbar. Wer ihn selbst im Garten hat, kann ihn natürlich wunderbarerweise gemeinsam mit dem Kind ernten. Oder ihr kauft gemeinsam ein, dabei kann das Kind z.B. den Rhabarber wiegen und bezahlen.

2. In der Küche wird der Rhabarber gewaschen, geschält und in 1 cm große Stücke geschnitten. Der Umgang mit dem Messer muss zunächst erklärt (Schneidekante, nicht damit herumlaufen etc.), gezeigt und begleitet werden. Kinder erkennen dann aber durchaus, dass sie besonders achtsam mit einem Messer umgehen müssen. Wenn euch aber nicht wohl dabei ist, könnt ihr den Rhabarber gemeinsam schneiden oder ihr übernehmt diesen Schritt vorerst noch ganz.

3. Das Wasser wird abgemessen und in einen Topf gegossen. Die Rhabarberstücke kommen dazu, beides wird ca. 20 Minuten geköchelt.

4. Anschließend wird der Sud durch ein Sieb gegossen und in einem weiteren Topf aufgefangen.

5. Der Rhabarbersaft wird zusammen mit dem Zucker und dem Saft der ausgepressten Zitrone für 10-15 Minuten eingedickt.

6. Danach in heiß ausgespülte Flaschen abfüllen und luftdicht verschließen. Diesen Schritt sollten nur Erwachsene übernehmen, weil der Sirup sehr heiß ist.

7. Über eine Kugel Vanilleeis oder einen Schluck Sirup in ein Glas Sprudel gießen und zusammen genießen!

Was ein Kind dabei selbst tun und lernen kann, wenn es darf:

Einkaufen oder ernten, wiegen, bezahlen, waschen, schälen, schneiden (mit Unterstützung), abmessen, schütten, warten, abgießen (mit Unterstützung), nochmal abwiegen, auspressen, warten, genießen!

 

Ich lade euch also ein, das Argument „Das kann mein Kind noch nicht“ loszulassen und es euer Kind ausprobieren und lernen zu lassen. Ja, vermutlich müsst ihr eine Weile aushalten, dass es länger dauert, Arbeit und vielleicht Unordnung macht. Doch das lohnt sich so sehr – euer Kind ist stolz auf sich, wächst, lernt und wird selbständiger!

 

Viel Freude dir beim Lernen, deine Kinder lernen zu lassen!

 

Hanna Articus


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