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Führung oder Freiheit?

Manchmal ist es einfach zu viel, was Mütter leisten. An was sie alles denken müssen. An das Wichtelgeschenk, den Hustensaft, die aktuelle Sockengröße. Vom Turnen abholen, einen Collegeblock kaufen, U-Untersuchungstermin ausmachen, Laterne basteln, Toilettenpapier besorgen, Oma anrufen….Wir befinden uns oft unter Dauerstrom. Tagtäglicher Mental load.

 

Wie entlastend ist es, wenn der Mann nach der Arbeit ganz selbstverständlich Entscheidungen trifft, Kindergefühle begleitet, Verantwortung übernimmt, wenn er die Steuererklärung, den tropfenden Wasserhahn und das Nasenbluten des Kindes versorgt. Wenn er das Päckchen zur Post bringt und am Wochenende einen Ausflug plant. Wenn er liebevolle Führung übernimmt (damit meine ich nicht Dominanz und Unterdrückung!), damit wir Frauen uns dort hinein entspannen können, uns anlehnen, loslassen und kurz mal die To- do Liste des Tages ausblenden dürfen. Weil wir spüren: da ist jemand Starkes neben uns, der uns sieht, wertschätzt und uns hilfreich zur Seite steht. Jemand, der es gut mit uns meint.

 

Kennst du dieses Gefühl? Wenn dir alles zu viel wird und dann jemand da ist, der dir mühelos Dinge abnimmt? Der nicht fordert, der keine Fragen, sondern Antworten hat. Jemand, der klare Entscheidungen trifft? Jemand der selbstbewusst, stark und aufgerichtet dir Sicherheit schenkt?

Ähnlich wie wir Mütter, fühlen sich vielleicht auch unsere Kinder immer wieder überlastet. Sie müssen die große, weite Welt begreifen, sich aus der Symbiose der Mama lösen, dazu lernen, Zahnlücken und Gefühlsstürme aushalten, erwachsenes Verhalten einsortieren, körperlich, sozial und emotional reifen- alles Herausforderungen, die Energie benötigen.

 

Durch den bindungsorientierten Ansatz liegt glücklicherweise der Fokus auf der bedeutenden Bindung zwischen Kind und Eltern. Das Kind wird wahr und ernst genommen, seine Bedürfnisse werden beantwortet und seine Gefühle werden liebevoll begleitet. Das ist richtig und wichtig so. Dennoch besteht die Gefahr, dass manchmal ein Hyper-Fokus auf dem Kind liegt. Dass wir aufgrund von Bedürfnisorientierung und Partizipation dem Kind zu viel Verantwortungsgefühl übergeben. Möchtest du eine Banane oder lieber den Apfel? Soll ich das Brot durchschneiden oder lieber am Stück lassen? Möchtest du die Turnschuhe oder die Halbschuhe anziehen? Möchtest du laufen oder getragen werden? Der Ansatz ist ein durchweg Guter. Wir möchten das Kind mit einbeziehen, seine Autonomie stärken und seine Selbstwirksamkeit fördern. Es ist unbedingt notwendig dieses elterliche Verhalten in die Entwicklungsphasen eines Kindes mit aufzunehmen.

 

Doch auch hier dürfen wir einen wachen, ehrlichen Blick drauf werfen. Muss unser Kind aktuell zu viel tragen, zu oft entscheiden? Ist es vielleicht manchmal sinnvoller die Führung zu übernehmen und vorzugeben welche Schuhe angezogen werden und aus welchem Becher getrunken wird?  Ist es im Moment notwendig, dass wir als Eltern verstärkt die Verantwortung übernehmen durch haltgebende Führung? Braucht unser Kind aktuell jemand Starkes an der Seite, der es gut meint und Dinge einfach vorgibt? Stimmt die Balance zwischen Exploration und Sicherheit?  Braucht es mehr Freiheit oder mehr Führung? Mehr Reiz oder mehr Entspannung?

 

Neue Fragen und weitere Entscheidungen die von uns getroffen werden wollen.


Vielleicht in einer ruhigen Minute, zu zweit mit Punsch.

 

Corinna Muderer
Räume für Menschen

 
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