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Elternschaft - eine lohnende Reise

Elternschaft – eine anstrengende, lohnende Reise unter anderem in die eigene Vergangenheit

 

Mit der Geburt eines Kindes verändert sich so vieles. Auch wir Eltern - wenn wir uns lassen. Vor allem die ersten Jahre als Familie, in denen Kinder existentiell abhängig sind von ihren Eltern, sind so voll: voll mit Neuem und Unsicherheiten, Nähe & Körperlichkeit, voller Entbehrungen und Bereicherungen, voll mit neuen Gedanken und Gefühlen, Gerüchen, Wäsche & Spielsachen, ungefragten Ratschlägen, Bauchgefühlen und alten Prägungen, Nöten und Schwierigkeiten.

 

Besonders herausfordernd für die meisten Eltern ist es, wenn im Kontakt mit den Kindern alte unangenehme Gefühle hochkommen (Wut, Ohnmacht, Angst, Schuldgefühle, Trauer). Es führt theoretisch kein Weg daran vorbei: Eltern müssen sich mit ihrer eigenen Geschichte und sich selbst auseinandersetzen, wenn sie nicht ungefiltert weitergeben wollen, was sie selbst verletzt hat. Die Verantwortung dafür liegt bei ihnen. Diese Auseinandersetzung ist unter Umständen sehr schmerzhaft, gleichzeitig wirkt sie oft auch ausgesprochen befreiend. Eltern kommen sich auf diese Weise selbst ein Stück näher, ziehen neue Schlüsse aus den Erfahrungen ihrer Kindheit und können dadurch in den Interaktionen mit ihren Kindern klarer sehen, präsenter sein und bewusster Entscheidungen treffen.

Theoretisch führt kein Weg daran vorbei? Ja, denn tatsächlich umgehen viele Erwachsene diese Auseinandersetzung mit sich selbst: sie sehen die Ursache für die großen Wallungen in ihnen in ihrem Kind. Daraufhin versuchen sie das Kind so zu beeinflussen und zu verändern, dass sie diese Gefühle nicht mehr fühlen müssen. Das wiederum führt häufig zu vielen großen Konflikten, ist der Entwicklung der Kinder nicht zuträglich und belastet außerdem die Beziehung zwischen Eltern und ihren Kindern. Im Umkehrschluss profitieren alle Familienmitglieder, wenn die Eltern sich auf ihren Weg machen, hinschauen und sich zum Beispiel fragen: „Warum macht mich das gerade so extrem sauer? Warum fällt es mir so schwer, klar für mich einzustehen? Was führt dazu, dass ich mich im Kontakt mit meinem Kind so hilflos fühle?“

Zwei Beispiele:

 

Lottes zweijährige Tochter will gerade viel selbst machen (z.B. Schuhe anziehen) und erlebt dabei ungemein viel Frust, den sie lautstark kundtut. Eigentlich möchte Lotte in der Ruhe bleiben und sie darin begleiten: „Ich sehe, dass du das selbst machen willst und du ärgerst dich so, dass es nicht klappt“. In den entsprechenden Momenten wird Lotte  jedoch selbst so stark wütend auf ihre kreischende Tochter, die sich nicht helfen lassen möchte. Lotte fühlt sich hilflos und schreit ihre Tochter an, sie soll sofort aufhören zu schreien. Am Ende dieser Situationen sind beide erschöpft und ratlos.

 

Marions Sohn hat noch einen wunderbaren Zugang zu seiner Trauer. Wenn etwas anders läuft als er es gut findet und er kann es nicht verändern, weint er und sucht Trost bei seiner Mama (zum Beispiel weil es regnet oder weil er kein zweites Eis bekommt). Eigentlich weiß Marion, dass Weinen Menschen hilft anzunehmen, was nicht veränderbar ist („Du bist traurig weil ich nein sage zu einem Keks. Es ist okay traurig zu sein. Ich bin da“). In den Momenten jedoch wird sie ungehalten, schafft es nicht, ihn ehrlich zu trösten und sagt ihm, dass er aufhören soll zu weinen. In ganz schlimmen Momenten äfft sie ihn sogar manchmal nach, anstatt ihn in seiner Trauer zu begleiten.

 

Beide Frauen wundern sich im Nachhinein über ihre Reaktion. Mit Abstand sehen sie, wie wenig sie in den Momenten mit ihren Kindern in Kontakt sind und wie sehr sie ihre Kinder durch ihr Verhalten verletzen. Sie haben dabei häufig das Gefühl „wie automatisch zu handeln“. Weil sie es verändern wollen, machen sie sich auf den Weg nach innen um herauszufinden, woher ihre Reaktionen auf das Verhalten ihrer Kinder kommen.

Es geht dabei nicht um Selbstoptimierung oder darum, perfekte Eltern zu werden, sondern so handeln zu können wie man es mit sich selbst und seinen Werten vereinbaren kann und wie es der Entwicklung der Kinder und der Eltern-Kind-Bindung förderlich ist. Das alles ist nicht leicht und auch die Erkenntnisse, die auf dieser Reise gewonnen werden, können oft nicht einfach von heute auf morgen umgesetzt, sondern müssen mühsam geübt werden, weil die Prägungen oft sehr tief gehen. Dabei hilft es Eltern, mitfühlend und großherzig mit sich zu sein. Viele Eltern empfinden es auch als wohltuend und hilfreich, diese Reise nicht alleine zu unternehmen. Wer sich traut, sich in Freundschaften oder auch in der Partnerschaft mit seinen Fragen und Herausforderungen zu öffnen, kann gemeinsam nachdenken, reflektieren, hinspüren. Für diejenigen, die so ein Rudel noch nicht haben, die es lieber anonymer mögen oder auf der privaten Ebene nicht weiter kommen, gibt es heute wunderbare Beratungen & Elternkurse, in denen man vor allem auch die Erfahrung machen kann, dass alle Eltern im Rahmen ihrer Elternschaft an einem oder mehreren Punkten mit ihrer Geschichte und ihren offenen Themen konfrontiert werden.

 

Nur Mut, am Ende tut es wirklich allen gut!

Hanna Articus
Räume für Menschen

 
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