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Eltern-Kind-Beziehung stärken - Von Herz zu Herz

Beziehung stärken – Teil II   - Von Herz zu Herz

 

Es gibt keine schnellen, immer wirksamen Lösungen und Patentrezepte im Umgang mit Kindern. Es gibt wirksame Druckmittel, die Angst erzeugen und so dazu führen, dass Kinder schlussendlich tun, was Erwachsene für richtig halten. Diese Wege funktionieren, da Kinder auf allen Ebenen von uns abhängig sind und unbedingt auf uns und die Zugehörigkeit zu uns angewiesen sind. Allerdings lernen Kinder zum einen auf diese Weise nicht das von den Erwachsenen Erwünschte, sondern vor allem, dass Erwachsene mächtig und sie selbst ohnmächtig sind. Zum anderen belasten wir auf diese Weise die Beziehung zu unseren Kindern und beeinträchtigen ihr Selbstwertgefühl. Ja, wir Eltern haben Macht. Umso wichtiger ist es, verantwortungsvoll mit dieser Macht umzugehen und uns der Abhängigkeit unserer Kinder bewusst zu sein.

 


Die Entwicklung von Kindern ist so vielschichtig, jeder Mensch so einzigartig und die Interaktionen zwischen den Familienmitgliedern so komplex, dass es gar keine für alle gültige, immer gleiche Umgehensweise geben kann. Die Sehnsucht danach scheint häufig groß, denn Kinder individuell zu begleiten erfordert viel Zeit, Geduld, Kreativität, Einfühlungsvermögen und Präsenz. Es ist anstrengend, lohnt sich aber. Denn Kinder spüren das und in der Folge vertrauen sie uns, sich und anderen und sind u.a. in der Lage, tragfähige Beziehungen zu gestalten und dabei gleichzeitig ganz sie selbst zu bleiben.

Was es aber gibt, sind hilfreiche Brücken zwischen dir und deinem Kind, die du aktiv bauen kannst, und sie wirken wie Abkürzungen, wenn sie oft und vor allem authentisch gegangen werden. Sie helfen dir, die Verbindung zwischen dir und deinem Kind herzustellen, zu sehen und auch zu nutzen, um in schwierigen Situationen in Kontakt zu bleiben. Denn es kann passieren, dass wir in Konflikten den Kontakt zu uns selbst und/oder den Kontakt zu unserem Kind verlieren. Z.B. weil unsere Gedanken in eine Zukunft abschweifen, die wir befürchten („Kind wird nie aufhören mit xy“) oder weil unsere Gefühle Aspekte unserer Vergangenheit aufwecken („so lass ich nie mehr mit mir reden; ich lass mir doch nicht auf der Nase herumtanzen“). Beides hat in der Regel nichts mit der aktuellen Situation zu tun und hilft uns auch nicht, eine Lösung zu entwickeln. Stattdessen kämpfen, streiten und wehren wir uns, und unser Kind versteht weder uns, noch die Welt, noch sich selbst.

Wenn es Eltern jedoch gelingt, ganz bei sich und im Hier und Jetzt zu bleiben und das Kind zu betrachten und es zu sehen – passiert etwas Wunderbares. Das Kind fühlt sich wahrgenommen und ernst genommen.

 

Zwei konkrete Beispiele:

 

Lottes Kind möchte im Supermarkt unbedingt ein Eis. Lotte möchte ihr keines kaufen. (Anmerkung: dabei sind die Gründe nicht relevant. Egal ob oder warum du deinem Kind etwas nicht kaufen willst oder kannst – für dein Kind ist das doof, da es sich noch nichts selbst kaufen kann. Das bedeutet nicht, dass du ihm eines kaufen sollst). Ihre Tochter versucht erst, sie doch noch zu überzeugen und als sie erkennt, dass sie wirklich keines bekommt, weint sie. Lotte geht in die Knie und nimmt sie in den Arm: „Ich höre dich. Du möchtest so gerne ein Eis und ich kaufe dir keines. Das macht dich traurig. Ich kenne das Gefühl.“ Lottes Tochter fühlt sich in ihrem Kummer gesehen und unterstützt. Das ist es vorrangig, worum es unseren Kindern geht.

 

Benita holt ihren Sohn vom Kindergarten ab. Schon beim Schuhe anziehen merkt sie, dass er gerade sehr dünnhäutig ist. Als er seine Jacke anziehen soll, bricht er in Tränen aus und sagt laut und verzweifelt „Ich kann das nicht, mach du!“. Benita streift ihm liebevoll die Jacke über die Arme und sagt: „Ich sehe, du hast einen anstrengenden Tag hinter dir. Lass uns nach Hause gehen und etwas essen. Magst du im Auto eine Geschichte anhören?“

Benita weiß genauso wie ihr Sohn auch, dass er seine Jacke unter anderen (entspannten) Umständen selbst anziehen kann. Sie erkennt aber an seiner Stimmung, dass er jetzt gerade ihre Fürsorge und Unterstützung braucht. So wie wir Erwachsene uns nach einem anstrengenden Tag nach Unterstützung sehnen, so empfinden das auch unsere Kinder. Die Angst, dass sie dann niemals selbständig werden, ist unbegründet. Diese Art des Umgangs mit ihnen in solchen Momenten führt viel eher dazu, dass sie sich gesehen und unterstützt fühlen und auch gerne anderen helfen, wenn sie Hilfe brauchen.

 

Fazit: es geht nicht darum, jeden Wunsch zu erfüllen; auch geht es in keinem der Beispiele um richtig oder falsch, gewinnen oder verlieren. So gewinnen im Grunde beide, und wunderbarerweise stärkt diese Art des Umgangs miteinander die Eltern-Kind-Beziehung. Es geht darum, unter die Oberfläche des Verhaltens zu blicken, den Ausdruck der Gefühle des Kindes zu verstehen und dem Kind zu lassen. So bekommt es gespiegelt, dass es gut ist wie es ist und dass es gehört und respektiert wird, auch wenn es sich unbequem verhält.

Wichtig ist, dass diese Sätze von Eltern tatsächlich so gemeint sind. Im Grunde spielen die einzelnen Worte gar keine so große Rolle, es geht um die Intention. Um die Brücke - von Herz zu Herz.

 

Hanna Articus

 
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