Mein Kind fremdelt - Die Acht-Monats-Angst

Warum alle Babys fremdeln

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Aus dem strahlenden Wonneproppen wird fast über Nacht ein scheues Baby, das weint, wenn sich ihm ein Fremder nähert. Was steckt hinter dem Fremdeln, und wie können Eltern ihre Kleinen in dieser Phase unterstützen?

Über Nacht ein Angsthäschen

Im Wartezimmer des Kinderarztes: Der kleine Tim, acht Monate, sitzt auf Mamas Schoß und brabbelt vor sich hin. Ein entfernter Bekannter kommt herein und beugt sich zu Tim herunter, um ihn zu begrüßen. Doch der Kleine beginnt zu weinen und wendet sein Köpfchen ab. „Genau wie meiner“, sagt eine andere Mutter. Und alle im Wartezimmer versammelten Eltern nicken wohl wissend. Tims Mama ist überrascht, dass aus ihrem kleinen Sonnenschein quasi über Nacht ein Angsthäschen geworden ist. Typisch für Tims Alter. Denn nicht umsonst spricht man von der „Acht-Monats-Angst“. Lachte das Kind bisher mit jedem, schreit es nun, sobald sich ihm ein fremdes Gesicht nähert.

 Ich mag nicht zur Oma!

Das Fremdeln ist eine Art Trennungsangst. Und das hat die Natur weise eingerichtet. Denn sie sorgt dafür, dass ein Kind sich in den ersten Lebensjahren auf die Menschen fixiert, die für es sorgen und die es lieb haben. Jede und jeden kann die Ablehnung des Babys zu spüren bekommen – die freundliche Kassiererin im Supermarkt, der Kinderarzt, die Nachbarn. Und nur von Mama, Papa oder anderen sehr vertrauten Personen lässt sich das Kleine beruhigen. Auch Großeltern, die ihr Enkelkind selten sehen, etwa weil sie weiter entfernt wohnen, sind die Leidtragenden. So sehr haben sie sich gefreut, ihren kleinen Schatz in die Arme zu schließen. Und nun will er plötzlich nichts mehr von ihnen wissen.

 

Da passt was nicht zusammen

Warum Babys fremdeln, ist schnell erklärt: In den ersten sieben bis neun Lebensmonaten haben die Kleinen gelernt, sich mit ihren Eltern zu verständigen. Gesten, Mimik, Laute, Berührungen und Gerüche spielen dabei eine große Rolle. Das Kind nimmt Mama und Papa sozusagen mit allen Sinnen auf. Dieses Sinnesbild hat sich nun fest im Gehirn des Babys verankert. Wenn ein Fremder nun zu ihm spricht oder die Oma auf Besuch kommt, beginnt es zu schreien. Denn es spürt genau: Das passt was nicht zusammen. Und es weiß noch nicht, wie es mit dieser neuen Erfahrung umgehen soll. Fremdeln ist also ein wichtiger Entwicklungsschritt. Wie lange die Phase dauert und wie ausgeprägt sie ist, unterscheidet sich von Kind zu Kind. Ein Trost: Mit drei Jahren gehören Fremdeln und Trennungsangst der Vergangenheit an. Die Kindergartenzeit beginnt – und mit ihr die Bereitschaft, sich verstärkt auch anderen Menschen zuzuwenden.

Auch Kibbuz-Kinder fremdeln

 

Es gibt Kinder, die kaum fremdeln. Sie verstecken sich nur kurz hinter Mamas Rücken, tauen dann aber recht schnell auf. Andere reagieren über eine lange Zeit mit Panik, sobald jemand Fremdes sich ihnen nähert. Dies liegt an der individuellen Persönlichkeit des Kindes. Eine große Rolle spielt auch das Umfeld. Wachsen Kinder in einer großen Familie auf, und haben die Eltern einen großen Freundes-, Bekannten- und Nachbarschaftskreis, sind viele Personen dem Kind von Anfang an vertraut. Doch Vorbeugen können Eltern der Fremdelphase nicht, indem sie möglichst viele Kontakte pflegen. Untersuchungen haben gezeigt, dass auch israelische Kinder, die im Kibbuz aufwachsen, fremdeln. Es ist also ein wichtiger Entwicklungsschritt, den jedes Kind gehen muss.

AmRockzipfelKinder brauchen eine sichere Basis

Eltern können ihrem Kind die Achtmonatsangst nicht nehmen. Aber sie können dafür sorgen, dass es sich sicher fühlt – auch wenn Fremde da sind. Wer zu Besuch kommt, sollte sich nicht sofort auf das Kind stürzen, es überschwänglich begrüßen und auf den Arm nehmen. Die Kleinen brauchen erst mal eine gewisse Distanz, eine Art Rückzugsgebiet, das niemand betreten darf. Ein kurzer freundlicher Blick zur Begrüßung reicht aus. Eltern und Besucher sollten das Kleine zu nichts drängen, sondern abwarten, bis es von selbst Kontakt zur lange nicht gesehenen Oma oder zum Patenonkel sucht. Am besten gelingt dies, indem zum Beispiel die Oma allein mit einem Spielzeug spielt. Da siegt in den meisten Fällen die Neugier des Kindes, und der Bann ist gebrochen. Erste Kontaktaufnahmen gelingen am besten von einer sicheren Basis aus – Mamas oder Papas Schoß.

Wichtig: Abschiedsrituale

Um den ersten Geburtstag herum ist das Schlimmste meistens schon überstanden. Doch das Fremdeln kann immer wieder in bestimmten Situationen auftreten, etwa wenn das Kind sich später an eine Tagesmutter gewöhnen oder mit drei Jahren in den Kindergarten gehen soll. Wichtig ist es, dass Mama oder Papa die Eingewöhnungsphase begleiten und ihrem Kind Sicherheit vermitteln. Die Ängstlichkeit der Eltern überträgt sich immer aufs Kind. Es traut sich weniger zu als ein gleichaltriges, das ermutigt und bestärkt wird. Bei den ersten kleinen Abschieden können Rituale helfen. Wichtig sind feste Strukturen: das gemütliche Frühstück, der Abschiedskuss, das Winken an der Haustür, das pünktliche Abholen bei des Tagesmutter oder im Kindergarten, der gemeinsame Nachhauseweg, auf dem Mama und Kind die Enten im Park füttern oder einen Schlenker am Spielplatz vorbei machen. Je vertrauter dem Kind die Abläufe sind, desto eher wird es bereit sein, sich für eine überschaubare Zeit von der Mama zu trennen.

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