Starke Mädchen – starke Jungen

Nico liebt seine Puppe über alles. In der letzten Zeit fährt er sie immer im Puppenwagen seiner Schwester spazieren – am liebsten in Papas Begleitung. Der Vater amüsiert sich bei diesen Ausflügen nicht selten. Denn obwohl heute zum Glück niemand mehr an einem Puppenwagen schiebenden Jungen Anstoß nimmt, ist das Kopfschütteln mancher Passanten kaum zu übersehen. Nicos Vater spürt genau, was sie denken: „Ein richtiger Junge tut das nicht!“ Wohlwollender fallen die Blicke der Harte-Männer-Fraktion aus, wenn sie mitkriegen, wie Nico einen kleinen Ast als Schwert benutzt und seine Puppe mit Kampfgebrüll gegen unsichtbare Angreifer aus dem feindlichen Lager verteidigt.

Jungen spielen anders – Mädchen auch

Nico oder seine Freundin Rut, die im Kindergarten immer als erste in der Bauecke sitzt, sind eher Ausnahmen. Denn Vorlieben für bestimmte Spielzeuge entsprechen meistens den üblichen Rollenklischees. Das haben Studien der A&M-Universität Texas/USA und der Universität London ergeben. Die Forscher gaben Grünen Meerkatzen, einer Affenart, Autos, Bälle, Puppen und Kochtöpfe zum Spielen. Die männlichen Affen spielten dabei mehr mit Autos und Bällen, die weiblichen mit Puppen und Kochtöpfen. Bei neutralen Spielsachen wie Bilderbüchern oder Stofftieren gab es kein unterschiedliches Verhalten. Die Forscher zogen aus ihren Untersuchungen folgenden Schluss: Wenn sich Mädchen und Jungen unterschiedlich von Spielzeug angezogen fühlen, kann das mit traditionellen Aufgaben aus früheren Zeiten zusammenhängen. Typische Jungenspielsachen wie Autos oder Bälle können aktiv bewegt werden. Sie fördern damit Fähigkeiten, die in Vorzeiten fürs Jagen wichtig waren. Die Aufgaben der Frauen damals beschränkten sich auf die Zubereitung des Essens und das Aufziehen von Kindern.

Dass Mädchen und Jungen oft verschiedene Fähigkeiten haben, hängt mit der unterschiedlichen Nutzung beider Gehirnhälften zusammen. In der linken sind zum Beispiel mathematische Fähigkeiten und Denkprozesse verankert, in der rechten Gefühle, Fantasie und Kreativität. Mädchen nutzen beide Hirnhälften. Sie lernen oft früher sprechen. Jungen nutzen verstärkt die linke Hirnhälfte und haben nicht selten eine bessere visuell-räumliche Wahrnehmung.

So entwickelt sich  Geschlechtszugehörigkeit

Wir sprachen darüber mit Melitta Walter, eine der bekanntesten Fachfrauen zum Thema Chancengleichheit der Geschlechter. Die Erzieherin und Sexualpädagogin leitet die Fachberatung für „Geschlechtergerechte Pädagogik und Gewaltprävention“ für die Städtischen Kindertageseinrichtungen in München.

Wann lernen Kinder Unterschiede zwischen Mutter und Vater kennen?

Bereits in der 30. Schwangerschaftswoche kann das ungeborene Kind zwischen höheren weiblichen und tieferen männlichen Stimmlagen unterscheiden. Und schon unmittelbar nach der Geburt lernt das Kleine, die hohe Stimme der Mama und die tiefe Stimme dem Papa zuzuordnen. Wenn Väter sich liebevoll und zärtlich um ihr Baby kümmern, es wickeln, baden und in den Armen wiegen, erfährt das Kleine hautnah: Fürsorglichkeit ist nicht allein Frauen-, sondern auch Männersache. Solche positiven Erfahrungen speichert das Kind in seinem emotionalen Gedächtnis.

Welchen Einfluss haben Eltern auf geschlechtergerechte Erziehung?

Einen sehr großen. Im zweiten Lebensjahr möchten die Kleinen die Welt erkunden – ganz gleich, ob Mädchen oder Jungen. Doch bereits in diesem frühen Lebensalter ahmen Kinder den gleichgeschlechtlichen Elternteil nach Sie beginnen schon jetzt, sich selber ihrem biologischen Geschlecht zuzuordnen. Die Botschaften, die von Müttern und Vätern oft unbewusst ausgehen, sind eindeutig: Jungen werden öfter als Mädchen darin unterstützt, ihren räumlichen Umkreis zu erweitern. Die Eltern ermutigen sie etwa, sich auf dem Klettergerüst auch mal etwas höher hinauszuwagen oder bei anderen Gelegenheiten Mut zu beweisen. Bei Mädchen sieht das anders aus. Sie werden eher abgebremst. Andererseits wird mit Mädchen in der Regel mehr gesprochen. Dieser unterschiedliche, meist unbewusste Umgang trägt mit dazu bei, dass Jungen sich selbstbewusster bewegen, Mädchen hingegen kommunikativer werden.

Was können Eltern tun, um Rollenklischees zu vermeiden?

Kinder brauchen vor allem Vielseitigkeit. Da sie ihrem gleichgeschlechtlichen Elternteil nacheifern, sollten Mütter und Väter sich nicht selber auf bestimmte Rollenbilder festlegen. Es ist deshalb gut, wenn auch die Mutter die Bohrmaschine bedienen und ein Regal zusammenbauen kann. Und wenn umgekehrt der Vater Plätzchen backt und sich beim Flechten der Zöpfchen seiner Tochter als geschickt erweist. Wichtig: Mädchen und Jungen brauchen Eltern, die sie so akzeptieren, wie sie sind, und die ihre individuellen Stärken fördern.

Welches Spielzeug empfehlen Sie für Mädchen und Jungen?

Auf jeden Fall Spielzeug, das nicht in die Kategorie Mädchen oder Jungen passt. Eltern sollten ihren Kindern Dinge schenken, die wirklich Spaß machen und zum Selbermachen anregen: ein Fernglas, ein Vergrößerungsglas, hochwertige Malutensilien, eine Trommel, Stoffreste, eine Tüte mit Briefmarken, große Kunstbücher vom Flohmarkt, Küchensiebe für den Sandkasten, Schuhschachteln für Fundstücke zum Beispiel. In diesem Zusammenhang eignen sich auch Wettspiele vorzüglich. Wenn Mädchen durch eigenes Tun erleben, dass sie den Jungen in nichts nachstehen, gewinnen sie an Zutrauen. Und Jungen verhalten sich Mädchen gegenüber respektvoller, wenn sie diese als gleichwertig erleben.

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