Tasten

Sandkasten 2

„Guck mal Mama, was Oliver macht! “ Olivers große Schwester Elisabeth (4) sieht zu, wie ihr kleiner Bruder (6 Monate) gestillt wird und dabei mit seinen kleinen Fingerchen die Brust der Mutter knetet. „Manchmal knetet er auch sein Schmusetuch und reibt es über sein Gesicht!“, erzählt sie der Oma. „Und er spielt sogar schon mit seinen Händen und Füßen!“

Der Tastsinn und das spielerische Tasten sind sehr bedeutsam für die kindliche Entwicklung.

Ich bin, Du bist

Wenn wir Säuglinge berühren und sie uns spüren, dann nehmen sie wahr, dass sie selbst „existieren“. Sie erfahren: „Ich bin.“ Gleichzeitig nehmen sie wahr, dass es einen anderen Menschen gibt und lernen „Du bist“. Sie finden über die Berührung in die Welt, zunächst zu sich selbst und dann in Beziehung zu anderen Menschen. So findet die erste Selbsterfahrung statt, und auch die erste Erfahrung mit einem Gegenüber.

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 „Das berührt mich“
Das Wort berühren hat eine doppelte Bedeutung, die für Kinder vom Moment der Geburt an wichtig ist. „Das berührt mich“, sagt man, wenn man meint, dass einem etwas nahe geht und wichtig ist. So gibt es einen engen Zusammenhang zwischen „berühren“ und „berührt sein“.
Wenn man Kinder körperlich berührt, dann berührt man sie auch auf der seelischen Ebene. Wenn ein Neugeborenes sich selbst ertastet, so beginnt es auch, sich selbst im eigenen Inneren wahrzunehmen. Erfühlt ein Kind die Mutter beim Stillen, Schmusen, Waschen oder Wickeln, so nimmt es wahr: „Hier ist ein Mensch, er fühlt sich warm, weich, lebendig an, für mich ist gesorgt.“

Freude, aber auch innere Not überträgt sich

Wenn kleine Kinder so eng mit Mama und Papa sind und diese langsam ertasten, spüren sie auch deren inneres Wesen. Unausgesprochen überträgt sich Freude und Zuversicht genauso wie Sorge und Angst. Je mehr Sicherheit eine junge Mutter hat, sowohl im emotionalen als auch materiellen Bereich, umso besser für ihre Kinder.

Geborgenheit und Entspannung

Kinder, vor allem Neugebore, brauchen Berührung, damit sie sich geborgen, sicher und zugehörig fühlen. Sie entspannen im Arm der Mutter oder des Vaters, leichtes Wiegen und festes Halten tut ihnen gut. Beim Windelwechseln merken Kinder: „Da ist jemand, der mir hilft, mich wohlzufühlen.“ Nutzen Sie die tägliche Körperpflegezeit, um es respekt- und liebevoll zu berühren. So lernen Sie sich gegenseitig kennen und können auf seine Bedürfnisse eingehen. Wer achtsam berührt wird, kann die Fähigkeit entwickeln, achtsam für sich selbst und andere zu werden.
Berührt man Babys liebevoll, fühlen sie sich geborgen und zugehörig. Sie beginnen, Vertrauen in ihre Existenz zu fassen. Wo Berührung fehlt, fehlt Kindern das Urvertrauen, oft ein Leben lang.

Das Baby lernt sich selbst kennen
BabymitgreiflingNach und nach finden Säuglinge heraus, wie sie sich selbst ertasten können. Sie erkunden den eigenen Körper, indem sie ihre verschiedenen Körperteile berühren. Dabei entdecken sie über die Haut ihre Körpergrenzen und stellen unbewusst fest: „Ah, das gehört zu mir, das bin ich“, oder: „Oh, das ist etwas anderes, das mich da berührt“, wie zum Beispiel Mamas warme Hand, ein weiches Schmusepüppchen oder ein Greifling.
Säuglinge brauchen immer wieder Zeit, sich alleine zu beschäftigen und spüren zu können. Mit der Zeit lernen sie sich und ihre sich täglich weiter entwickelnden Fähigkeiten kennen. Ein Wechsel zwischen Alleinsein und Geborgenheit, zärtlichem Köperkontakt und ruhigem „sich selbst Überlassen sein“ ist gefragt. Die Kinder einmal loszulassen ist genauso wichtig, wie sie auf dem Arm zu tragen.
Die Fähigkeit, sich selbst zu spüren, ist die Voraussetzung dafür, ein gesundes Selbstbewusstsein und später Sozialkompetenz zu entwickeln. Nur wer sich selbst wahrnimmt und kennt, hat auch ein gutes „Gespür“ für andere Menschen.

Tipp: Weinende Kinder sollte man immer hochnehmen. Lässt man sie schreien, lernen sie die falsche Botschaft, nämlich:„Ich bin machtlos, ich kann in dieser Welt nichts ausrichten, nicht einmal, wenn ich schreie, kommt jemand und nimmt mich wahr.“

Naturmaterial
Schaffen Sie Spielräume, wo Kinder tasten, untersuchen und entdecken können! Sammeln Sie Naturmaterialien, verschiedene Hölzer, Rinde, Kastanien, Eicheln, Steine, Moos, Schneckenhäuser, Äste usw. Nehmen Sie aus der Natur mit, was Sie finden, und füllen Sie es in kleine Körbchen und Behälter. Das kann als Zubehör und „Lebensmittel“ für den Kaufladen ebenso dienen wie als Dekoration für „kleine Welten“, die Kinder gerne mit ihren Figuren und Spielsachen aufbauen. Manchmal ordnen und sortieren Kinder Dinge auch einfach nur gerne zu „Familien“ oder „Mustern“. Hochkonzentriert verlieren sie sich in der Betrachtung einzelner Schätze.

Im Garten der Sinne

In manchen Städten gibt es so genannte „Gärten der Sinne“, die man mit Kindern besuchen kann. Dort dürfen Kinder beispielsweise ihre Hände in Behälter stecken und ertasten, was darin liegt. So ein Besuch macht der ganzen Familie Spaß. Doch auch zu Hause kann man viel dafür tun, dass Kinder Sinneserfahrungen machen können.

Tastend die Welt erfahren:

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Je mehr Kinder von klein auf Natur erforschen dürfen, desto besser.

Spielzeug, das die Seele streichelt

Selbstverständlich sollte auch Kinderspielzeug aus natürlichen und ungiftigen Material sein, wie aus unbehandeltem Holz, pflanzengefärbter Wolle oder dementsprehenden Stoffen. Ebenso bedeutungsvoll wie die Materialfrage ist jedoch die Frage nach der inhaltlichen Bedeutung, die ein Spielzeug transportiert. Betrachten Sie die Ware genau und fragen Sie sich vor dem Kauf, ob Krieger, Monster oder andere Helden beispielsweise aus Computerspielen oder Filmen sowie rosarote Kunstpüppchen die Werte verkörpern, die Sie ihren Kindern vermitteln wollen.

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Wenn Kinder Spielsachen berühren, werden diese in ihren Händen lebendig; sie verbinden sich damit. Darum ist es besonders wichtig, dass wir Spielsachen schenken, die Kindern gut tun und "ihre Seele streicheln" wie zum Beispiel weiche Babypuppen, kleine Biegepüppchen und Puppenhäuser, Tiere mit Bauernhof oder Ritter mit Burg. So können sie Spielwelten mit positiv besetzten Werten aufbauen. Natürlich wird es auch dort ab und zu hoch hergehen und "böse Räuber" werden in die beispielsweise in die Ritterburg eindringen, sie bestimmen dann aber nicht den Gesamteindruck, sondern sind wichtiger Teil eines selbst gewähltes Spiels.

Tiere und Püppchen
Schaffen Sie zum Spielen Filz- und Stoffpüppchen an, diese erwärmen sich in den Kinderhänden und vermitteln tatsächlich auch ein warmes Gefühl.

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Holzfiguren
Kaufen Sie wenige, aber handgefertigte, unlackierte Holzfiguren und Holzspielsachen aus einheimischen Hölzern. Diese Spielzeuge haben wunderschöne Maserungen, duften nach Öl und fühlen sich viel besser an als glatte, kühle Oberflächen. Jedes einzelne Spielzeug erzählt eine andere Geschichte.

Hoppe, Hoppe Reiter
Berührungsspiele sind auch die so genannten Kniereiter, Fingerspiele und Ähnliches. Diese finden Sie in dem Artikel „Sprachspiele“ wieder. Sprechen, Tasten, Schmecken und Riechen stehen in unmittelbarem Zusammenhang – all diese „Sinneswahrnehmungen“ bilden einen wichtigen Baustein zur gesunden Kindesentwicklung. 

Tastspiele
Tasterlebnisse finden am besten auf natürlichem Weg im Leben von Kindern statt. Es gibt aber auch Tastspiele, die älteren Kindern in der Gruppe großen Spaß machen:

Was kannst Du mit den Fingern "sehen"?
Ein Spielleiter versteckt, ohne dass es die anderen sehen dürfen, einen Gegenstand in einem Kasten oder unter einem Tuch. Nun muss ein Mitspieler ertasten, um welchen Gegenstand es sich handelt, und eventuell (bei größeren Kindern) auch, aus welchem Material er besteht. Wer es partout nicht erraten kann, darf an einen Mitspieler übergeben und es später noch einmal versuchen.
Bei einem Geburtstagsfest gibt es natürlich für jeden erratenen Gegenstand eine kleine Belohnung.

Vorbereitung:
Der Spielleiter bereitet einen Sack mit verschiedenen Gegenständen vor, die die Teilnehmer ertasten sollen. Je nach Alter können es einfache, alltägliche oder schwerer zu erratende Gegenstände sein: Würfel, Wäscheklammer, Löffel, Gabel, Tube, Klopapierrolle, Kugelschreiber, Bleistift, Metallauto, Murmel, Tischtennisball, Muschel, Tannenzapfen, Wollknäuel usw. Für größere Kinder könnten es auch verschiedene Materialien sein, die erraten werden müssen z.B. verschiedene Stoffe wie Seide, Wolle, Baumwolle, Kunstfaser oder Holz, Metall, Plastik, Sandpapier etc.

Zum Verstecken der Gegenstände kann man entweder einen Pappkarton basteln oder ein großes Handtuch bzw. eine Decke benutzen, die man locker vor sich auf den Boden legt, so dass sich der Gegenstand nicht durch das Tuch abzeichnen kann. Der Pappkarton muss auf der Rückseite zu öffnen sein, damit man die Gegenstände hineinstecken kann. Auf der Vorderseite schneidet man zwei runde Eingriffslöcher aus, durch die die Mitspieler zum Tasten ihre Hände in den Karton stecken. Für ein Fest ist es natürlich schön, wenn der Karton bunt beklebt oder bemalt ist.

Warm oder Kalt?
Manche Menschen empfinden lauwarmes Wasser als richtig warm, andere dagegen finden es richtig kalt. Woher kommen solch unterschiedliche Wahrnehmungen? Vielleicht nähern sich die Kinder der Antwort selbst, wenn sie ein wenig experimentieren. Geben Sie ihnen zum Beispiel folgende Aufgaben:

Wasser testen
Stellt drei Schüsseln vor euch auf: eine mit gut warmem Wasser, eine mit ganz kaltem Wasser und eine mit lauwarmem Wasser.
Nun taucht für mindestens drei Minuten eine Hand in das warme Wasser und eine in das kalte Wasser. Anschließend taucht ihr gleichzeitig beide Hände in die lauwarme Schüssel. Wie fühlt sich das Wasser hier an? Warm, kalt oder lauwarm? Oder fühlt es sich vielleicht für jede Hand anders an? Wenn ihr euch nicht entscheiden könnt, dann versucht es einfach noch einmal!

Aufwärmen mit kaltem Wasser
Dieser Test lässt sich am besten im Winter durchführen, wenn Kinder mit eiskalten Händen von der Schneeballschlacht oder vom Schlittenfahren nach Hause kommen. Wie kann man Hände am besten aufwärmen? Probieren Sie es mal mit dem kalten Wasser aus dem Wasserhahn.
Haben Sie wirklich den richtigen Hahn aufgedreht? Erstaunlich, wie heiß sich kaltes Wasser anfühlen kann, nicht wahr?

Figuren und Tiere ertasten
Haben Ihre Kinder lange und viel mit ihren Holzfiguren und Tieren gespielt, so kann man ihnen die Augen mit einem Seidentuch verbinden*, die Holzfiguren in die Hand geben und fragen: „Welches Tier hältst du in deiner Hand?“ Sie werden staunen, wie genau Kinder ein kleines Holzschwein vom Schaf unterscheiden oder die Prinzessin ohne Hinsehen am Krönchen erkennen können.

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Vorsicht, manche Kinder möchten die Augen nicht verbunden haben und scheuen die Dunkelheit, dann sollte man sie natürlich nicht dazu überreden. Allgemein gilt: Kein Spiel sollte mit einer bestimmten Absicht begonnen werden. Fingerfertigkeit ist eine Fähigkeit, die nicht extra gefördert werden muss. Wenn Kinder gutes und vielfältiges Spielzeug haben, entwickeln sie diese von ganz allein.

* Vorsicht, Kinder unter 6 Jahren mögen meist keine verbundenen Augen.

Schlaue Füße
Viele Deckel von Schuhkartons werden jeweils mit einem anderen Material ausgelegt, zum Beispiel Sand, Kieselsteine, Blätter, Moos, Fell, zerknülltes Zeitungspapier, Heu. Die Deckel bilden einen Weg. Führen Sie Ihr Kind mit verbundenen Augen und nackten Füßen darüber. Was fühlt es? Errät es vielleicht sogar das Material?

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Gummistiefel

Auf dem Boden liegen verschiedene Schuhe – große und kleine, mit Klettverschluss oder Schnürsenkel. Sie sitzen mit Ihrem Kind mit verbundenen Augen vor dem Berg. Jeder versucht, durch Tasten möglichst viele zusammengehörende Schuhpaare zu finden oder festzustellen, zu welchem Familienmitglied welcher Schuh gehört. 

Kneten und Backen
Nicht nur im Sandkasten matschen, kneten und backen Kinder gern. Das Kneten und Rollen von Teig ist ein besonderes intensives Tasterlebnis für sie, sie sind selig, wenn sie aus Wasser und Mehl einen Teig herstellen dürfen. Ein Hefeteig besipielsweise lebt, er atmet und wenn man ihn verarbeitet, dann fühlt er sich geschmeidig an, fast wie seidige Haut. Lassen Sie Ihre Kinder am besten in der Küche helfen, so oft es geht.

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