Ein Interview mit Dr. rer. nat. Dr. med. habil. Gerald Hüther. Er ist Professor für Neurobiologie an der Psychiatrischen Klinik der Universität Göttingen und zählt zu den führenden Wissenschaftlern auf dem Gebiet der experimentellen Hirnforschung.
Redaktion: Wie beginnt das Lernen?

Prof. Hüther: Bei der Geburt eines Kindes ist das Gehirn noch recht unreif. Denn es haben sich zwischen den Abermillionen von Nervenzellen nur einige wenige Verschaltungen entwickelt, die zum Überleben während der ersten Lebensphase unbedingt erforderlich sind. Alles andere muss hinzugelernt und als neue Erfahrungen im Gehirn abgespeichert werden. In den verschiedenen Bereichen des Gehirns bilden sich zunächst Verschaltungen in einem Maße, dass es einen riesigen Überschuss gibt. Erhalten bleiben nur diejenigen, die auch wirklich benutzt werden. Der Rest wird wieder abgebaut. Vor diesem Hintergrund betrachtet, wird klar, warum Kinder in den ersten Lebensjahren so viel lernen wie nie wieder in ihrem späteren Leben.
















