Monika Kiel-Hinrichsen: Patchworkfamilie

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Wie das Zusammenleben gelingen kann

„In der Patchworkfamilie kommen Kinder aus verschiedenen Familien und mit unterschiedlichen Temperamenten, Gewohnheiten und Einstellungen zusammen. Doch sie haben eines gemeinsam: Sie sind Kinder aus einer gescheiterten Beziehung, die oftmals tiefe Verwundungen erlitten haben. Dies führt häufig zu Spannungen“, sagt die Erziehungsberaterin, Pädagogin und Buchautorin.

Monika Kiel-Hinrichsen, Jahrgang 1956, ist staatlich anerkannte Erzieherin, Sozialpädagogin und Waldorfpädagogin mit langjähriger heilpädagogischer Erfahrung. Sie arbeitet seit vielen Jahren am Therapeutikum Kiel, wo sie mit ihren Kollegen die Familienbildungsstätte „Forum Zeitnah“ gründete. Sie bildet Tagesmütter und –väter sowie Erzieher aus und leitet pädagogische und Kommunikationskurse. Außerdem arbeitete sie zwölf Jahre im Bereich der Familienkultur an der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft in Dornach, Schweiz, gestaltend mit. Monika Kiel-Hinrichsen ist eine gefragte Referentin im In- und Ausland. Sie hat eine eigene Praxis für Biographiearbeit, Erziehungs- und Eheberatung, Mediation und Supervision. 

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Was erleben Kinder nach einer Trennung der Eltern?

In der Regel gingen der Trennung belastende Alltagssituationen voraus, die die Kinder geprägt haben. Streitereien, Verletzungen, Schuldzuweisungen, Ängste und Einsamkeiten gehören in das Erlebnisrepertoire von Eltern und Kindern aus gescheiterten Beziehungen. Die Kinder haben häufig Zerreißproben hinter sich, fühlen sich verwundet und verlassen. Sie leben mit dem Schmerz, Mutter und Vater nicht mehr gemeinsam zu haben, sondern diese plötzlich als Besucher zu erleben. Oft werden Kinder dabei auf die eine oder andere Seite gezogen und müssen sich zwischen den Eltern zerreißen. Man kann sich vorstellen, wie es dann in ihren Seelen aussieht! Doch Zeit heilt Wunden, wie es in einem Sprichwort heißt. Eltern und Kinder leben zwar mit dem Schmerz. Aber es entstehen auch neue Lebenssituationen nach der Trennung. Es bilden sich neue Gewohnheiten, die wieder tragen können – bis zu dem Moment, in dem ein neuer Mann oder eine neue Frau in das Leben der Eltern tritt. Die Wunde, die vielleicht gerade ein wenig verschorft ist, wird nun wieder berührt und kann je nach den Umständen erneut schmerzen und Gefühle auslösen wie Bedrohung, Verlustangst, Konkurrenz, aber auch Neugierde, Interesse und gespaltene Zuneigung.

Was brauchen die getrennten Partner in der ersten Zeit besonders?

Sie sollten vor allem ihre eigene Trauer zulassen und die Verantwortung für die Trennung übernehmen. In dieser Phase findet die Auseinandersetzung mit eigener Schuld und eigenem Versagen statt. In ihr müssen Illusionen und Ideale aufgegeben und der reale Verlust eines Partners und eventuell der Kinder betrauert werden. Erst durch die Trauer wird es möglich, das Vergangene zu bewältigen und sich auszusöhnen. Dies heißt aber nicht, den alten Zustand wieder herzustellen, sondern vielmehr die eigenen Grenzen und Unfähigkeiten anzunehmen. Denn erst die Versöhnung mit sich selbst öffnet auch den Weg zu einer Versöhnung mit dem anderen. Das scheint mit eine Voraussetzung zu sein, sich in Freiheit wieder in eine neue Partnerschaft zu begeben und den Kindern einen Freiraum in ihrer Seele zu schaffen, den sie für sich selbst nutzen dürfen, um ein gesundes Ichbewusstsein zu entwickeln.

Was brauchen Kinder in dieser Phase?

Das hängt maßgeblich vom Lebensalter des Kindes ab. Das kleine Kind bis zu einem Alter von ungefähr sieben Jahren lebt noch in starker Verbundenheit mit seiner Umgebung. Es hat wenig Vorstellung von Ursache und Wirkung und ist in seinem Gefühlsleben existentiell von den Eltern abhängig. Schaffen die Eltern es, ihrem Kind in diesem Alter ein gutes Bild vom anderen Elternteil zu vermitteln, wächst seine Chance, ohne allzu großen Vertrauensverlust weiterzuleben. Ist der andere Partner eine neue Beziehung eingegangen und besucht ihn das Kind, ist es hilfreich, wenn die Mutter beziehungsweise der Vater es mit hinein begleiten darf, damit es spüren kann: „So wie meine Eltern es tun, ist es gut.“

Wie verkraften ältere Kinder die Trennung?

Zwischen dem neunten und zehnten Lebensjahr steht das Kind in einem eigenen Trennungsprozess. Es erlebt in sich ein starkes Ich-Gefühl, das gleichzeitig eine Distanz zu seiner Umgebung schafft. Das Erlebnis „Hier bin ich, und dort ist die Welt“ kann bei einem Kind in diesem Alter Krisen auslösen - bis hin zu Angstzuständen, Todessehnsüchten und undefinierbaren Krankheitssymptomen. Die Welt wird von einem Kind in diesem Alter in Gut und Böse eingeteilt. Geht ein Elternteil, ist es böse auf diesen. Aber unter Umständen fühlt es sich schuldig an der Trennung. All das ist für ein Kind wie eine Zerreißprobe. In diesem Alter nimmt es die Stimmungen und die Gewohnheiten seiner Umgebung in seiner Seele auf. Es braucht Eltern, die mit ihm sprechen, Verständnis zeigen für seine Sorgen und Nöte und die eigenen Sorgen etwas zurückstellen. Es braucht Ermutigung und Zuspruch. Erfahrungsgemäß sind in dieser Zeit Wahlverwandtschaften im Sinne von befreundeten Familien oder der Beistand durch die Paten sehr hilfreich.

Und was empfinden Jugendliche?

Im Jugendlichenalter verkraften Mädchen und Jungen den Trennungsschmerz zwar besser. Doch auch hier sind es immer noch die Kinder dieser Eltern und keine kleinen Erwachsenen. Sie machen gerade ihre ersten Erfahrungen innerhalb des eigenen seelischen Erlebens, wie die erste Verliebtheit, aufbrechende Sexualität und Selbstfindung. Meist haben ja die Auseinandersetzungen der Eltern die eigene Problematik zum Inhalt, und der Heranwachsende fühlt sich überfordert. Oft stoßen die Jugendlichen zum Selbstschutz ihre Eltern vor den Kopf und gehen ihre eigenen Wege. Eigentlich benötigen Jugendliche jetzt Stabilität und Rückendeckung für ihre Schritte in die Welt des Erwachsenwerdens. Doch Kinder in diesem Alter sind noch nicht voll urteilsfähig und sowieso befangen. Eltern sollten in Anwesenheit ihres Kindes deshalb nie schlecht über den verlassenen Partner reden, sondern möglichst gut und wertschätzend über ihn sprechen. Denn eigentlich braucht und vermisst das Kind den Vater beziehungsweise die Mutter.

Wie ergeht es den Kindern, wenn ein Elternteil irgendwann einmal einen neuen Partner findet?

In der Regel geht der Gründung einer Patchworkfamilie eine Zeit des Alleinlebens und Alleinerziehens voraus. Es haben sich neue Gewohnheiten zwischen Mutter beziehungsweise Vater und den Kindern gebildet. Man hat gelernt, auf eigenen Beinen zu stehen. Und es hat sich eine besondere Form der Intimität zwischen den Kindern und den Elternteilen entwickelt. Ein neuer Partner wird erst einmal mehr oder weniger als Eindringling in diese enge Gemeinschaft erlebt. Und es bedarf in hohem Maß der Vorbereitung und des Einfühlungsvermögens, um den neuen Partner in dieses Beziehungsgeflecht mit hinein zu nehmen. Haben sich die Partner zu einem gemeinsamen Leben entschieden, sollten die Kinder in diese Schritte mit einbezogen werden und alle gemeinsam einen Vorbereitungszeitraum haben. Die Entscheidung, eine Patchworkfamilie zu gründen, kann in den Kindern Gefühle von Angst, Unsicherheit und Wut auslösen. Denn nun wissen sie, dass der sehnlichste Wunsch, Mutter und Vater würden irgendwann wieder zusammen kommen, nicht in Erfüllung gehen wird. Das ist noch einmal ein besonderer Abschnitt der Trauerarbeit für die Kinder – manchmal auch für die getrennt lebenden Elternteile, wenn die Trennung nicht genügend verarbeitet werden konnte. Man muss sich also auf ein erneutes Spannungsfeld einstellen.

Was ist vor der Gründung einer Patchworkfamilie zu beachten?

Es gilt für diese neue Familiengründung auch ganz praktische Gesichtspunkte ins Auge zu fassen: Wo werden alle gemeinsam wohnen? Wie viele Zimmer stehen zur Verfügung? Gibt es genügend Rückzugsmöglichkeiten? Aus den Erfahrungen der Beratungsarbeit heraus hat es sich als schwierig erwiesen, wenn eine neue Familie im Umfeld der alten Beziehung beziehungsweise Familie gegründet wird, beispielsweise im selben Haus. Es bedeutet eine Herausforderung für die Familienmitglieder mit dem Heimvorteil. Denn hier hatten sie ihre eigenen Gewohnheiten, und hier leben ihre Erinnerungen an die Kernfamilie. Wie soll ein neuer Partner da Wurzeln schlagen?! In einer Patchworkfamilie muss sich jeder wieder finden können. All diese Prozesse brauchen Zeit.

Wie sieht es mit der Erziehung der Kinder aus?

Es gilt, gemeinsam herauszufinden, an welcher Stelle es dem neuen Partner wichtig ist, seinen Farbklang mit in das Beziehungsmuster hinein zu geben, und wie das funktionieren kann, ohne die Kinder gleich mit erziehen zu wollen. Hier sind Familiengespräche am runden Tisch gerade am Anfang der Gemeinschaftsbildung von großer Hilfe.

Natürlich muss man hierbei das Alter der Kinder und ihre Möglichkeiten mit berücksichtigen. Durch die neue Lebenssituation, das Zusammenleben mit „meinen und deinen“ Kindern tritt eine Höchstgeschwindigkeit in Kraft, die so manche Beziehung an den Rand der Belastbarkeit bringen kann. Denn im Vordergrund steht die Elternschaft mit ihren Ungereimt- und Ungleichheiten, den Spannungen dem Fremden gegenüber und mit ihren ganz alltäglichen Aufgaben. Diese Elternschaft ist sehr kompliziert. Zum einen bringt jeder Partner bereits Erfahrungen als Elternteil aus einer anderen Elternschaft mit. Und die wird ganz anders gewesen sein – vielleicht eine viel freiere und offener oder strenger. Wichtig ist deshalb, sich folgende Fragen zu beantworten: Wie viel Verantwortung übernehme ich für meine eigenen Kinder und wie viel erwarte ich von meinem Partner meinen Kindern gegenüber? Wie viel Verantwortung bin ich bereit abzugeben und wie viel kann beziehungsweise will ich für die Kinder meines Partners übernehmen? Wenn dann aus der Patchwork-Elternschaft eine echte Elternschaft wird, weil ein gemeinsames Kind kommt, wirkt dies oft harmonisierend auf das gesamte Familienverhältnis. Viele Patchworkeltern berichten, dass gerade durch die Geburt eines Halbgeschwisters eine stärkere Verbundenheit der Stiefgeschwister untereinander und der nicht leiblichen Eltern und Kinder entstehen konnte.

Bringen der Wunsch nach Nähe einerseits und der Wunsch nach Distanz andererseits Kinder einer Patchworkfamilie nicht oft in Konflikte?

Ja, diese Ambivalenz im Gefühlsleben ist für lange Zeit ein fester Bestandteil im Leben einer Patchworkfamilie. Alle Patchworkeltern kennen Aussprüche wie: Lass mich! Fass mich nicht an! Du hast mir gar nichts zu sagen! Oder: Dich interessiert es doch nicht, wie es mir geht! Du verstehst mich nicht! Was weißt du denn schon über mich? Dies sind Äußerungen, die einen nicht leiblichen Elternteil auf Distanz halten sollen, die aber gleichzeitig ein Bedürfnis nach Nähe und den Wunsch ausdrücken, dazuzugehören. Die leibliche Nähe entwickelt sich zwischen Eltern und Kindern ganz natürlich und selbstverständlich bereits von Geburt an und durchläuft dann bis zur Pubertät immer mehr Phasen der Ablösung bis hin zur Achtung der eigenen Grenzen der Kinder. Diese Nähe konnte ein nicht leiblicher Elternteil zu seinen nicht leiblichen Kindern nicht entwickeln. Eine leibliche Nähe setzt eine seelische voraus. Aus ihr heraus bildet sich ja das Vertrauen, welches für Nähe unabdingbar ist. In einer Patchworkfamilie hat fast jedes Kind durch die Trennung der Eltern eine einschneidende Erfahrung durchmachen müssen, die mit Nähe, mit dem Verlust von Nähe und Distanz zu tun hat. So kann es sein, dass sich die Seele eines Kindes als Folge des Schockerlebnisses ein Stück weit zusammengezogen hat. Als Elternteil in einer Patchworkfamilie gilt es, sich diese Umstände immer wieder bewusst zu machen. Körperliche Nähe hat etwas mit Berührung zu tun. Und Berührungen sind immer ein Ausdruck der eigenen seelischen Verfassung. Durch sie wird die Korrespondenz mit dem Gegenüber gesucht. Gerade in der Anfangsphase einer Patchworkfamilie kann es hilfreich sein, mit körperlichen Berührungen zurückhaltend zu sein. Seelische Nähe und Berührung können die Kinder auch durch liebevolle Worte und Gesten erfahren. Sie beinhaltet dann eine gesunde und achtsame Distanz. In manchen Familien kann es schwer sein, überhaupt eine seelische Nähe zu den Kindern herzustellen, da sie den neuen Partner ihres Elternteils ablehnen und die Beziehung lange durch Distanz bestimmt ist. Das muss nicht mutlos machen, sondern fordert eine andere Art der Aktivität von uns Erwachsenen. Denn wir haben die Möglichkeit, eine geistige Nähe zum Kind aufzubauen, indem wir uns zum Beispiel geistig mit seinem Wesen beschäftigen und uns von ihm innerlich beeindrucken lassen.

Spielt das Alter dabei eine Rolle?

Ja, denn Kinder haben in den unterschiedlichen Altersstufen ein anderes Verständnis von Nähe. Ein kleines Kind von drei bis vier Jahren ist seelisch noch ganz offen. Das Schulkind beginnt sich langsam zu distanzieren und sich in sich selbst zu suchen. Mit der Pubertät beginnt der junge Mensch, distanziert und kritisch auf seine unmittelbare Umgebung zu schauen. Und er will diese auch auf Distanz halten. Diese Entwicklungsschritte lassen sich auch in einer Kernfamilie wahrnehmen. In der Patchworkfamilie können sie allerdings stärker und herausfordernder zum Ausdruck kommen.

Wie spielt der nicht anwesende Elternteil in die Patchworkfamilie hinein?

Zu fast jedem der Kinder in einer Patchworkfamilie gehört noch ein nicht anwesender Elternteil, den das Kind in sich trägt. Dieser tritt manches Mal durch eine physische Ähnlichkeit ganz besonders stark hervor. Aber auch Temperamentseigenschaften, Gewohnheiten, Meinungen und Gefühle des früheren Partners können vom Kind verkörpert werden. Von einer Mutter oder einem Vater einer Patchworkfamilie werden große Tugenden gefordert. Ich muss mir die Frage stellen, welche innere und äußere Haltung ich dem nicht anwesenden Elternteil gegenüber habe. Kann ich ihn achten und auf seinem Platz, nämlich die Mutter beziehungsweise der Vater dieser Kinder zu sein, lassen? Oder erhebe ich den Anspruch, besser zu sein? Die Mutter der Kinder meines Mannes ist die Frau, die er vor mir geliebt hat. Kann ich diese Liebe achten, ohne Eifersucht zu fühlen? Muss ich sie vielleicht so in mein Herz lassen, dass mit ihr verbunden die Kinder meines Partners sich so liebevoller bei mir aufgehoben fühlen können?

Und wie geht es den Kindern?

In Trennungsphasen sind Kinder den stärksten Zerreißproben ausgesetzt. Sie stellen sich innerlich sowohl auf die Seite der Mutter als auch ein anderes Mal auf die des Vaters. Dazwischen lebt die große Frage der Schuld, die sich ein Kind ab dem sechsten oder siebten Lebensjahr zu stellen beginnt. Haben sich die Eltern zu viel über ihn beziehungsweise sie ärgern müssen? Hätte es braver, stiller, ordentlicher sein müssen? Hat sich ein Elternteil nun neu verbunden, sollte er dem neuen Partner gegenüber erst einmal Distanz wahren. Das Kind braucht nämlich Raum für Beobachtungen und Zeit, sich langsam auf ihn zuzubewegen. Die meisten Kinder empfinden eine große Solidarität mit dem verlassenen Elternteil und übernehmen Verantwortung für ihn, indem sie sich stark mit ihm identifizieren und seine besonderen Eigenarten oftmals mit in die Familie hineintragen. Dadurch verschaffen sie dem nicht anwesenden Elternteil Aufmerksamkeit und sich eine Linderung ihrer Not. Diese Identifikation dient dem Gleichgewicht der Kinder. Sie ist als ein Hilfeschrei und nicht als eine Provokation zu verstehen. Als ein Appell an die Eltern des Kindes, aber ganz besonders an den neuen Partner, ihm diese „Verdauungsmöglichkeit“ zuzugestehen und es einfühlsam zu begleiten. Schwierig für das Kind und die Beziehung zu ihm ist es, wenn man ungut über den Elternteil spricht oder die Gewohnheiten und Verhaltensweisen, welche das Kind mitbringt, kritisiert. Meist reagiert es darauf mit Rückzug und Rebellion.

Was trägt darüber hinaus zu einem gelungenen Patchwork-Familienleben bei?

Wichtige Voraussetzungen sind eine Akzeptanz dem Fremden gegenüber und gegenseitige Offenheit. Eltern sollten sich gleichzeitig die Frage stellen, welche Gewohnheiten für die Partner und die Kinder wichtig sind und welche neuen Rituale man gemeinsam entwickeln könnte. Dieser Austausch unter den Erwachsenen erspart den Kindern Konfrontationen und schafft eine gute Voraussetzung für die neue Lebensgrundlage, die sich erst durch viele klare Absprachen bilden muss. Das ist besonders dann hilfreich, wenn die eigenen Kinder oder die des Partners zum Beispiel nur am Wochenende zu Besuch kommen und sich der Rhythmus in der Patchworkfamilie dadurch immer wieder verändert.

Was kann die Bildung von festen Gewohnheiten fördern?

Förderlich ist es zum Beispiel, wenn die Besuche an einen Rhythmus gebunden sind und nicht frei und immer wieder neu von den Kindern und Eltern entschieden werden. Rhythmus und Gewohnheiten wirken nämlich stärkend auf die Lebenskräfte. Es braucht allerdings eine längere Zeit, oft bis zu drei Jahren, bis solche Rhythmen, die existentiell das Seelische der Kinder berühren, zur Gewohnheit geworden sind. Denn hier geht es ja immer auch um eine Auseinandersetzung mit dem Alten und dem Neuen. Das Alte trägt nicht mehr und das Neue noch nicht. Diese Prozesse brauchen viel Ausdauer und Zeit. Neue Gewohnheiten können hier zum Brückenbauer werden. Es könnten sich hier individuelle Begrüßungs- und Abschiedsgewohnheiten bilden. Ein Beispiel: Wenn alle Familienmitglieder am Sonntagabend wieder zusammenkommen, gibt es eine ausgiebige Teezeit, in der erst einmal alles erzählt werden kann. Das wirkt wie eine seelische Aufwärmung. Ein schöner Abschluss dieser Teezeremonie ist ein gemeinsamer Spaziergang.

Bietet das Leben in einer Patchworkfamilie auch Chancen für die Entwicklung?

Ja, denn in einer Patchworkfamilie lebt eine besondere Dynamik, die einerseits ein großes Potential an Herausforderungen mit sich bringt, andererseits ein hohes Maß an Entwicklungsmöglichkeiten bietet. Kleine und Große üben sich in solchen Familien in Toleranz und Wahrnehmungsfähigkeit dem Fremden gegenüber. Durch diese Eigenschaften können sich die feinen sozialen Fäden, die durch die so verschiedenen großen und kleinen Menschen zusammenkommen, zu einem tragfähigen Netz entwickeln. Die Konflikte innerhalb solcher Gemeinschaften sind vergleichbar mit einem Gärungsprozess beim Hefeteig. Ich muss die Zutaten miteinander vermischen, dass sie sich verbinden können, aber es bedarf immer der Geduld, der Ruhe und Wärme, damit die Qualitäten der einzelnen Stoffe sich entfalten können und daraus etwas Neues entstehen kann. Was die Beziehungen einer Patchworkfamilie darüber hinaus am meisten benötigen, sind Zeit und Raum für neue Entwicklungen. Nur dann erntet man die Früchte der vielen kleinen Wachstumsprozesse: „Du hast mir gar nichts zu agen, du bist nicht mein Vater.“ Und zehn Jahre später: „Du bist für mich neben meiner Mutter der wichtigste Mensch geworden.“

Frau Kiel-Hinrichsen, wir danken Ihnen für das Gespräch!

Das Interview führte Jette Lindholm für unsere Redaktion

Mehr über die Arbeit der von Monika Kiel-Hinrichsen mitgegründeten Familienbildungsstätte „Forum Zeitnah“ erfahren sie unter:www.forum-zeitnah.de

Buchtipp

Monika Kiel-Hinrichsen

Die Patchworkfamilie

Jeder Tag eine Herausforderung, an dem Streit und Spannungen ausgehalten werden müssen: Das scheint besonders für Patchworkfamilien zu gelten, in denen „Bruchstücke“ verschiedener Familien zu einer neuen Lebensgemeinschaft zusammenwachsen wollen. Gegensätzliche Gewohnheiten und Charaktere treffen auf engstem Raum aufeinander. Obwohl vorangegangene Trennungen noch nicht bewältigt wurden, müssen neue, komplizierte Beziehungen zu den noch „fremden“ Familienmitgliedern aufgebaut werden. Und oft sorgen die abwesenden Elternteile der Kinder für Spannungen.

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In diesen Auseinandersetzungen liegen aber auch Chancen zusammenzuwachsen. Monika Kiel-Hinrichsen, selbst Mutter einer achtköpfigen Patchworkfamilie, gibt in diesem Buch Hilfestellungen, wie jedes Familienmitglied die Probleme der anderen verstehen, Konflikte bewältigen und seine eigene Rolle inmitten veränderter Familienkonstellationen finden kann.

160 Seiten, 11,90 Euro, Verlag Freies Geistesleben

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