Kann man Kinder vegetarisch ernähren?

Angesichts der Lebensmittelskandale, die in den letzten Jahren in regelmäßigen Abständen immer wieder publik werden, ist bei vielen ein neues Gesundheitsbewusstsein entstanden. Immer mehr Menschen entscheiden sich für gesünderes Essen an Stelle von Fertignahrung, auch wenn das bedeutet, mehr Geld dafür auszugeben. Vor einem Schritt schrecken allerdings noch viele zurück, weil sie Mangelernährung und Anfechtungen aus der Umgebung fürchten: vor der Entscheidung, sich vegetarisch zu ernähren. Die öffentliche Meinung, unterstützt von Ärzten und Ernährungsberatern, rät oftmals ab, Kinder vegetarisch zu ernähren. Es würden dabei wichtige Stoffe fehlen, die für das Wachstum unentbehrlich sind. Hier wirkt noch der alte Glaube, Fleisch bedeute Lebenskraft. Dabei war es früher gar nicht üblich, so viel  Fleisch zu essen wie wir es heute tun. Fleisch war ein kostbares Gut und kam nicht jeden Tag auf den Tisch. Erst in der Wohlstandsgesellschaft hat sich die Meinung durchgesetzt, dass es zum Leben dazu gehört, dass immer alles verfügbar sein muß. Außerdem gelten Vegetarier allgemeinhin als miesepetrige Menschen, die keinen Spaß am Essen haben und auf vieles verzichten müssen.

Die Angst vor angeblicher Mangelernährung ist unbegründet, wenn man ein paar wichtige Punkte beachtet. Es genügt sicherlich nicht, nur das Fleisch weg zu lassen, aber ansonsten wie gewohnt weiter zu essen. Man sollte dann zu vollwertigen Lebensmitteln greifen, denn in Frischgemüse und Getreide ist alles vorhanden, was der Körper benötigt. Zu vermeiden sind der regelmäßige Gebrauch von Produkten mit Zutaten wie Auszugsmehle, Zucker, Farb- und Zusatzstoffe. Sie bringen den Stoffwechsel auf Dauer durcheinander, weil der Körper ständig den Beschuss von Fremdstoffen ausgleichen muss. Eine Folge davon sind die üblichen Zivilisationskrankheiten wie Allergien, Übergewicht, Herz- und Kreislaufstörungen, Infektanfälligkeit, frühere Alterungserscheinungen etc. Obwohl  diesen Krankheiten meistens jahrzehntelange Fehlernährung vorausgeht, wird leider übersehen, dass hier ein Zusammenhang besteht.

Manche Eltern fürchten, sich und ihre Kinder zum Außenseiter zu machen, wenn sie sich vegetarisch ernähren. Erwachsene können sich gegen komische Fragen und Blicke vielleicht noch wehren, aber was ist mit  Kindern? Haben sie überhaupt die Möglichkeit, unter ihren Altersgenossen akzeptiert zu werden, wenn sie auf Wurstbrote & Co. verzichten? Schließlich gehen sie zu Freunden, sind in der Stadt und die Verlockungen sind groß.

Hier wird der Einfluss der Familie unterschätzt. Wächst ein Kind vegetarisch auf, empfindet es das als ganz normal. Sicher werden früher oder später Fragen auftauchen, warum andere Wurst essen, was das ist, und wieso man selbst keine auf dem Teller hat. Fleischessen als etwas verbotenes und schlechtes hin zu stellen, hat sicher den gegenteiligen Effekt, denn bekanntermaßen reizen Verbote. Außerdem ist es nicht Sinn der Sache, die eigene Überzeugung zum Maßstab für alle zu setzen und sich als einen besseren Menschen anzusehen. Jeder muss für sich entscheiden, was für ihn das richtige ist, und wenn man seinen Kindern sagt, „bei uns ist da so, wir haben uns dafür entschieden kein Fleisch zu essen“, werden sie das mit Sicherheit akzeptieren. Außerdem lernen sie, dass nicht jeder das gleiche tun muss. Gesundheitliche Begründungen dagegen sind für Kinder erst nachvollziehbar, wenn sie älter sind. Haben jüngere Kinder viel Kontakt zu Tieren, sehen sie Kühe und Schafe auf der Weide oder besuchen sie regelmäßig einen Bauernhof,  wo sie  Tiere vielleicht sogar anfassen dürfen, wird ihnen nicht in den Sinn kommen, diese Tiere essen zu wollen. Die Scheibe Wurst sieht der Kuh natürlich nicht ähnlich, aber irgendwann werden sie von selbst auf den Zusammenhang kommen.

Auch ist der Geschmack in erster Linie eine Folge von Gewürzen, und die kann man ja überall nutzen, nicht nur beim Hackbraten. Nahrung ist nicht nur etwas, das man im Laden kauft, es hat ein Woher. Wer sich bewusst ernähren will, muss sich mit diesen Zusammenhängen auch auseinandersetzen. Beim selber Kochen, vielleicht auch selbst anpflanzen und ernten, wird das den Kindern anschaulich.

Wichtig ist natürlich auch hier das Vorbild der Eltern. Selbst Fleisch zu essen und den Kindern zu verbieten, auf diese Idee würde wohl keiner kommen. Man wäre unglaubwürdig und Kinder würden die Verbote so bald wie möglich heimlich umgehen. Man kann natürlich nicht die ganze Verwandtschaft zum Vegetarismus bekehren, aber das ist auch nicht nötig.  Hier gilt der Grundsatz der Toleranz, dass jeder für sich entscheiden muss. Verlangen kann man aber, dass die eigene Entscheidung respektiert wird und den Kindern bei Besuchen nicht heimlich die Wurst zugeschoben oder offen dagegen angeredet wird, was für ein Quatsch es sein, kein Fleisch zu essen. Ein gutes Argument gegen die wohlmeinende Umgebung ist es, dass zur Fleischverdauung ein bestimmtes Enzym gebraucht wird, dass sich bei vegetarisch aufgewachsenen Kindern nicht gebildet hat (und sich bei Erwachsenen mit der Zeit auch zurückbildet) und Probleme bei der Verdauung auftreten können, wenn plötzlich Fleisch gegessen wird.

Irgendwann werden die Kinder größer, lösen sich von der Familientradition, wollen für sich selbst entscheiden. Wie bei anderen Dingen auch kann es nun sein, dass sie sich dafür entscheiden, Fleisch eben doch probieren zu wollen. Hier sollte die vorher gelebte Toleranz weiter bestehen, die Kinder werden früher oder später zu selbstentscheidenden Menschen, und wenn man sie dann plötzlich moralisch verurteilt, weil sie an einer Tradition nicht festhalten, verlieren die Eltern Glaubwürdigkeit und vielleicht sogar das Vertrauen ihrer Kinder.

Anders herum ist es oft auch so, dass Jugendliche plötzlich entscheiden, kein Fleisch mehr zu essen, auch wenn das in der Familie nicht üblich ist. Sie wollen selbst bestimmen, und dieses Bestreben sollte man nicht unterdrücken. Hier kann man die Selbstverantwortung unterstützen und anregen, sich mit verschiedenen Ernährweisen auseinander zu setzen. Ob Kinder dann wirklich Vegetarier bleiben wollen, werden sie auf diese Art am Besten selbst herausfinden.

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