Das kann ich schon alleine

Es ist Samstagmorgen. Die fünfjährige Annika und ihr Papa holen da immer beim Bäcker frische Brötchen. Der Vater zieht sich gerade an, als die Kleine plötzlich im Anorak vor ihm steht. „Bitte, Papa, darf ich heute alleine gehen? Ich bin doch schon sooo groß!“, bettelt sie. Ihr Vater ist  hin- und hergerissen. Einerseits sind es zu Fuß nur wenige Minuten. Außerdem kennt Annika den Weg genau. Sie müsste noch nicht mal eine Straße überqueren. Andererseits: Was ist, wenn sich die Kleine am Ende doch verläuft?

Der Vater gibt sich einen Ruck. Er steckt Geld in Annikas Portemonnaie und lässt sie losziehen. Heimlich schleicht er hinterher – immer auf der Hut, dass sein Kind ihn nicht entdeckt. Erleichtert beobachtet der Vater, dass Annika zielstrebig auf den Bäckerladen zusteuert. Nun aber flink nach Hause. Der Vater wechselt seinen Beobachtungsposten und steigt auf den Dachboden. Von dort aus kann er nämlich die ganze Straße überblicken. Schon bald sieht er Annikas roten Anorak. Und es dauert nur wenige Minuten, bis sie vor der Haustür steht.

 

Kinder brauchen solche Erfolgserlebnisse. Sie haben meist ein sicheres Gefühl dafür, was sie schon bewältigen können. „Jedes Kind möchte verwirklichen, was in ihm steckt. Es hat ein feines Empfinden für seine Stärken und Schwächen und spürt sehr genau, was es zu erreichen vermag und was nicht“, schreibt Remo H. Largo, Professor für Kinderheilkunde an der Universitäts-Kinderklinik Zürich in seinem Buch „Kinderjahre“ (Piper Verlag, 9,90 Euro).

So können Eltern ihr Kind beim Selbständigwerden unterstützen:

Kinder testen ständig ihre Grenzen aus. Das geht nicht ohne Niederlagen ab. Ersparen Sie Ihrem Kind Vorwürfe, wenn etwas schief geht. Beispiel: „Wenn du auf mich gehört hättest, wärst du beim Klettern nicht heruntergefallen.“ Solche Aussagen machen Kinder mutlos. Besser wäre: „Das kann passieren. Versuch’s einfach noch einmal. Dann klappt es bestimmt.“

Kinder wissen selber, wann sie reif genug sind, allein zum Kindergarten zu gehen, das Fahrradfahren zu lernen oder auf Bäume zu klettern. „Werden dem Kind Lernziele von der Umgebung vorgegeben, verlässt es sich immer weniger auf seine Neugier“, sagt Professor Largo. Kinder werden sicherer, wenn sie sich selbst Ziele stecken und diese auch zu verfolgen und zu erreichen lernen. Halten Sie Ihr Kind deshalb nicht zurück, wenn es zu neuen Ufern aufbricht. Es ist ungeheuer stolz, wenn es spürt: Mama und Papa trauen mir zu, vieles schon allein zu schaffen.

Kinder messen sich gern mit Gleichaltrigen. Für Annika ist es wichtig, allein zum Bäckerladen zu gehen, weil ihre Freundin Marie aus dem Kindergarten das auch schafft. Das gibt Annikas Selbstwertgefühl einen enormen Auftrieb. Und davon können Kinder im Entdeckeralter nicht genug bekommen.

Kinder brauchen Anerkennung und Lob – auch wenn sie etwas nicht auf Anhieb schaffen. Es ist ein gutes Gefühl, wenn sie spüren: Mama und Papa finden gut, was ich mache. „Eine solche Haltung zeichnet sich durch eine wohlwollende, aufmerksame Gelassenheit aus, die dem Kind zu verstehen gibt: Ich bin da, wenn du mich brauchst. Ich dränge mich dir aber nicht auf. Ein derart selbstbestimmtes Kind akzeptiert auch die Grenzen, die ihm Eltern setzen müssen“, sagt Professor Largo.

Kinder brauchen hin und wieder kleine Hilfen. Üben Sie bestimmte Situationen spielerisch mit Ihrem Kind ein, etwa wie es sich verhalten soll, wenn es sich verlaufen hat . Erzählen Sie ihm Geschichten von Kindern, denen so etwas auch passiert ist. Dabei lernt Ihr Kind, was es im Ernstfall tun soll. Geschichten mit spannenden Lösungswegen prägen Kinder sich nämlich viel leichter ein als ständige Ermahnungen.

Besuchen Sie uns auch auf facebook

Unsere Partner

Ostheimer Schaeferlogo xsOstheimer Holzspielzeug

 

 

 

nicNEUnic Spiel + Art
Walter Kraul

 

 

 

AHS-Spielzeug
Lautenbach e.V.

Händler-Login



Newsletter

Name

Email

Allgemeine Nutzungsbedingungen

Unser Newsletter wird 1x monatlich verschickt und ist jederzeit leicht abbestellbar.

FeuerwehrPolizei.jpg